Die Reihe: Trauma – rechte Zukunft | deutsche Geschichte(n)

Gesamtüberblick

 

Do. 28.04.22 – So, 15.05.22

Rechte Gewalt tötet . 

Rechte Gewalt traumatisiert. 

In der Vergangenheit, in unserer Gegenwart – auch in Zukunft?

Wir sind erschrocken über den Rechtsruck der letzten Jahre und stehen am Abgrund einer bösen Geschichte: Weiße Täter*innenschaft reproduziert sich seit Jahrhunderten.

Und wir sind mittendrin – die deutsche Geschichte ist eine explizit böse Geschichte. Und sie ist nicht vorbei. Im Gegenteil: Sie findet immer (noch) statt.

Es heißt: Wir müssen erinnern. Aber was ist, wenn Erinnern die höchste Form des Vergessens ist?

Die vielfältigen psychosozialen Abwehrprozesse nach 1945 prägen bis heute politische und soziale Dynamiken. Zugespitzt formuliert scheint die allgegenwärtige Berufung auf traumatische Erfahrungen immer öfter vor allem ein Zeichen von Widerstand zu sein, um nicht durcharbeiten zu müssen (Opfer-Täter*innen-Umkehr).

Verheerende Affektlagen und bösartige Wiederholungen: Wir wiederholen unter den Bedingungen des Widerstands gegen die Durcharbeitung der Erinnerung.

Welche Folgen hat eine Wiederholung ohne Durcharbeiten? Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der mangelhaften Durcharbeitung der Vergangenheit und dem Erstarken rechter Bewegungen in der Gegenwart?

Trauma – rechte Zukunft / deutsche Geschichte(n) ist der Versuch, uns der Geschichte weißer, speziell deutscher, wiederholender Täter*innenschaft und der stetigen Reproduktion von Machtverhältnissen zu stellen. Wir wollen uns mit Schuldabwehr und Täter*innen-Opfer-Verdrehungen konfrontieren und suchen ein Durcharbeiten anstelle eines Erinnerns im Duktus einer Erinnerungskultur, die alles schnell wieder gutmachen will.

Trauma – rechte Zukunft / deutsche Geschichte(n) ist der Versuch, Räume zu teilen, marginalisierte und privilegierte Perspektiven zusammenzubringen, Zeiten zu verbinden, Linien zu ziehen und Fragen zu stellen. Wir betreten ein riesiges, komplexes Feld und können mit unserem dreiwöchigen Programm nur einen kleinen Ausschnitt thematisieren.

Der Begriff Trauma ist dabei Sinnbild für den empfundenen Abgrund, an dem wir uns bewegen. Im Fokus stehen (künstlerisch bearbeitete) Geschichten der Traumatisierung von negativ Betroffenen. Wir begeben uns in Spähren, in denen wir versuchen etwas zu verstehen, über das wir scheinbar die Kontrolle verloren haben. Wir benutzen den Begriff, um in eine künstlerisch-diskursive Forschung einzusteigen und damit automatisierte und versteckte Prozesse auszuloten, die durch Angst- und Bedrohungsszenarien ausgelöst werden und unter den Oberflächen persönlicher, sozialer und politischer Gefüge weiterwirken.

Das Institut für Widerstand im Postfordismus und die Vierte Welt laden über drei Wochen Menschen, Künstler-, Aktivist- und Wissenschaftler*innen unterschiedlichster Disziplinen ein, um die Strukturen, Ursachen und Wirkungen rechter Bewegungen unter die Lupe zu nehmen und das Umfeld ihres eigenen Handelns und Kulturschaffens auf rassistische Praktiken zu befragen. Das Programm bringt Filme, Lesungen, Gespräche, Theorie, Performances und Workshops zusammen. Mit ihren jeweiligen Mitteln nähern sich Künstler-, Aktivist- und Wissenschaftler*innen der Bedeutung unbewusster, durch Generationen hindurch wirkender Erbschaften. Zusammenhänge zwischen gestern, heute und morgen werden gegen- und miteinander gelesen und vermeintlich vergangenes und aktuelles rechtes Denken dekonstruiert. Wir fragen danach, wie Kunst Trauma bearbeiten kann, und rufen Ansätze für eine Praxis der Detraumatisierung auf.

 

TEIL 1 : Wir müssen reden

Am ersten Wochenende geht es um rechte Gewalt vor allem aus der Perspektive der von Rassismus und Diskriminierung negativ Betroffenen. Unter anderem gibt es einen Workshop zu Praktiken des Anti-Rassismus und critical whiteness. Artist-Talks und eine Sound-Installation beschäftigen sich mit Trauma und Healing im Kontext von Rationalität und Aufklärung.

 

15.4. – 5.5. 

Intervention am Kottbusser Tor Temporäre Denkmäler von BARAZANI.Berlin, Adetoun Küppers-Adebisi und Michael Küppers-Adebisi (Coalition of Cultural Workers Against the Humboldt ForumBlack Berlin Biennale), hn. lyonga (Autor*in, Kurator*in), Isabel Raabe (TALKING OBJECTS  – Decolonizing Memory and Knowledge), Benedikt Stoll (Künstler*in, Mitbegründer*in der Guerilla Architects)

 

do 28.4.

18h Gesprächsrunde Eröffnung – Wir müssen reden! mit dem Team von Trauma – rechte Zukunft / deutsche Geschichte(n) und Gäst*innen: u.a. Jacqueline Saki Aslan (Künstler*in, Migrationsforscher*in), Markus Brunner (Sozialpsycholog*in, Soziolog*in), Wirya Budaghi (Künstler*in, Performer*in), Tetta Marie Carangi (Künstler*in, Performer*in), Tahir Della (Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland), Adetoun Küppers-Adebisi (Coalition of Cultural Workers Against the Humboldt ForumBlack Berlin Biennale), Michael Küppers-Adebisi (Coalition of Cultural Workers Against the Humboldt ForumBlack Berlin Biennale), Julia*n Meding (Künstler*in, Performer*in), Massimo Perinelli (Historiker*in, Rosa-Luxemburg-Stiftung), Isabel Raabe (TALKING OBJECTS  – Decolonizing Memory and Knowledge), Benedikt Stoll (Künstler*in, Mitbegründer*in der Guerilla Architects), Anna-Lena Werner (Kunsthistoriker*in, Kurator*in)

 

fr 29.4.

17h Artist Talk von Wirya Budaghi (Künstler*in, Performer*in) mit Nathalie Anguezomo Mba Bikoro (Künstler*in, Kurator*in) und Barış Seyitvan (Künstler*in, Kurator*in)

20h performative Sound-Installation Traumascape von Tetta Marie Carangi (Performance/Musik, Konzept) und Julia*n Meding (Performance/Musik, Konzept), Annett Hardegen (Konzept), Julia König (Raum), Performance Sophiensaele: Friederike Hirz (Recherche, Dramaturgie, Co-Regie), Nora Hansen (Kostüm), Sol Astolfi & Yani Isla (Video)

Nachgespräch im Anschluss an die Installation zu Trauma, Kunst und Healing mit den Künstler*innen und Anna-Lena Werner (Kunsthistoriker*in, Kurator*in)

 

sa 30.4.

11h Workshop critical whiteness: mein Weißsein in meinem Alltag mit Wirya Budaghi (Künstler*in, Performer*in)

14:30h Gesprächsrunde Trauma ’89 – 30 Jahre Stress in Kreuzberg von Massimo Perinelli (Rosa-Luxemburg-Stiftungmit Gülây Akın, Hamze Bytyci (Kurator*in, Künstler*in), Gülriz Egilmez (Projektabeiter*in, Aktivist*in), sabuha salaam (gayhane so36_club), Alexandra Weltz-Rombach (Filmemacher*in und Producer*in)

18h Gespräch und Diskussion Temporäre Denkmäler mit Tahir Della (Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland), Adetoun Küppers-Adebisi und Michael Küppers-Adebisi (Coalition of Cultural Workers Against the Humboldt ForumBlack Berlin Biennale), Isabel Raabe (TALKING OBJECTS – Decolonizing Memory and Knowledge), Benedikt Stoll (Künstler*in, Mitbegründer*in der Guerilla Architects)

21h performative Sound-Installation Traumascape von Tetta Marie Carangi (Performance/Musik, Konzept) und Julia*n Meding (Performance/Musik, Konzept), Annett Hardegen (Konzept), Julia König (Raum), Performance Sophiensaele: Friederike Hirz (Recherche, Dramaturgie, Co-Regie), Nora Hansen (Kostüm), Sol Astolfi & Yani Isla (Video)

 

 

TEIL 2 : (Un)heimliche Wiedergänger

Das zweite Wochenende behandelt Täter*innen-Kontinuitäten in Deutschland nach 1945 bis heute: institutionell, ökonomisch, politisch, soziologisch und psychologisch. Es geht um Familiengeschichten, das Modell der transgenerationalen Weitergabe, unbewusste Gefühlserbschaften sowohl in Täter*innen- wie Opfer-Familien und ihre Auswirkungen bis in die Gegenwart. In einem Workshop gibt es die Möglichkeit, zur eigenen Familiengeschichte während der Nazi-Diktatur zu recherchieren, und auch performativ wird „die ewige Wiederholung von Täter*innenschaft“ aufgegriffen.

 

do 5.5. 

19h Filmscreening und anschließende Diskussion Der zweite Anschlag – The Second Attack – Ikinci Saldırı (Dokumentarfilm D 2018 von Mala Reinhardt). Gespräch mit: Mala Reinhardt (Regisseur*in), Patrick Lohse (Kameramensch, Produzent*in), Pasquale Virginie Rotter (Autor*in und Prozessbegleiter*in für Empowerment und Kritisches Weißsein)

 

fr 6.5.

18h Gesprächsrunde “Menschen mit Nazi-Hintergrund” – faschistische Kontinuitäten bis heute: Auf dem rechten Auge blind! mit Wolfgang Brauneis (Kurator*in), Alina Brehm (Sozialpsycholog*in), Philipp Krüpe (Architekturkollektiv Rechte Räume), Dominik Rigoll (Historiker*in), Sonja Smolenski (Boycott deutsche LeidkulturModeration/Gastgeber*in: Elisa Müller (Institut für Widerstand im Postfordismus, Künstler*in, Performer*in, Regisseur*in)

 

sa 7.5.

14h Netzwerktreffen von und mit Künstler*innen und Forscher*innen zu Trauma / rechte Gewalt und Kunst / Positionen der 3. Generation, u.a. von und mit Sylvia Battegay (Literatur- & Kulturwissenschaftler*in, DFG-Netzwerk 3G), Julia Köhne (Kulturwissenschaftler*in), Christiane Huber (Künstler*in, Theatermacher*in), Dana von Suffrin (Prosa- und Hörspielautor*in, Historiker*in), Kadir Özdemir (Künstler*in, QLM – Queeres Leben in der Migrationsgesellschaft), Anna-Lena Werner (Kunsthistoriker*in, Kurator*in)

20h Performance Böse Déjà-vus vom Institut für Widerstand im Postfordismus mit Elisa Müller (Regie, Spiel), Marcus Reinhardt (Spiel), Anna Helene Zöllner (Spiel), Vega Damm (Dramaturgie, Spiel), Michi Muchina (Ausstattung)

Nachgespräch im Anschluss an die Performance mit Sylvia Battegay vom DFG-Netzwerk 3G und Künstler*innen der Performance

 

so 8.5.

14h Workshop Der Nationalsozialismus in Familie und Gesellschaft: Wege zur eigenen Recherche mit Johannes Spohr (Historiker*in)

19:30 Impuls Postnazistische Verstrickungen von Markus Brunner (Sozialpsycholog*in und Soziolog*in) zur Einleitung der Performance

20h Performance Böse Déjà-vus vom Institut für Widerstand im Postfordismus mit Elisa Müller (Regie, Spiel), Marcus Reinhardt (Spiel), Anna Helene Zöllner (Spiel), Vega Damm (Dramaturgie, Spiel), Michi Muchina (Ausstattung)

Nachgespräch im Anschluss an die Performance mit Markus Brunner und Johannes Spohr und Künstler*innen der Performance

TEIL 3 : Das ist nicht unser Land

Das dritte Wochenende führt verschiedene Stränge zusammen: intergenerationelle Folgen des Holocaust, das Bemühen um einen Dialog zwischen Täter*innen- und Opfer-Nachfahren, Täter*innenkonstruktionen in der Kunst. Aber es wird auch um die spezifische Geschichte der DDR und um die Überwindung von rassistischen Praktiken in Kulturinstitutionen gehen – immer verbunden mit der Frage: In was für einem Land WOLLEN wir leben?!

 

do 12.5.

18h Filmscreening Thomas Heise: Vaterland (Dokumentarfilm, D 2002, 102 Min)

20h Gesprächsrunde: Gestern ist heute. Austausch über transgenerationale Gefühlserbschaften mit Angela Moré (Sozialpsycholog*in, Gruppenanalytiker*in)

 

fr 13.5.

20h Gesprächsrunde Vaterland ist nicht zu Hause mit Leon Kahane (Künstler*in) und Christian Weißgerber (Kulturwissenschaftler*in, Philosoph*in)

 

sa 14.5.

15h Gesprächsrunde Das ist nicht unser Land mit Annett Hardegen (Leitung Vierte Welt), Peter Pogany-Wnendt (Psychotherapeut*in, Psychiater*in), Tucké Royale (Autor*in, Regisseur*in, Musiker*in, Schauspieler*in), Alexandra Senfft (Autor*in, Publizist*in), Katharina Warda (Autor*in, Moderator*in) und Patrice Poutrus (Historiker*in, Migrationsforscher*in)

20h Performance Das ist nicht mein Land mit Dirk Cieslak (Regie/Text), Malte Scholz (Spiel), Michaela Muchina (Bühne), Amadeus Altmann (Kamera/Schnitt), Lea Nagano (Videobearbeitung), Macarena Solervicens Ruz (Sound), Annett Hardegen (Dramaturgie/Produktion)

Nachgespräch im Anschluss an die Performance mit Dirk Cieslak und Sebastian Kirsch (Theaterwissenschaftler*in)

 

so 15.5.

15h Gesprächsrunde Abschluss, Widerstand!

20h Performance Das ist nicht mein Land mit Dirk Cieslak (Regie/Text), Malte Scholz (Spiel), Michaela Muchina (Bühne), Amadeus Altmann (Kamera/Schnitt), Lea Nagano (Videobearbeitung), Macarena Solervicens Ruz (Sound), Annett Hardegen (Dramaturgie/Produktion)

 

von und mit u.a.:

Gülây AkınJacqueline Saki Aslan (Künstler*in, Migrationsforscher*in), Nathalie Anguezomo Mba Bikoro (Künstler*in, Kurator*in), BARAZANI.BerlinSylvia Battegay (Literatur- und Kulturwissenschaftler*in, 3G: Kunst der dritten Generation), Wolfgang Brauneis (Kunsthistoriker*in und Kurator*in), Alina Brehm (Sozialpsycholog*in), Markus Brunner (Sozialpsycholog*in und Soziolog*in), Wirya Budaghi (Künstler*in und Performer*in), Hamze Bytyci (Kurator*in, Künstler*in), Tetta Marie Carangi (Künstler*in, Performer*in), Dirk Cieslak (Regisseur*in), Max Czollek (Historiker*in, Künstler*in, Kurator*in, Tahir Della (Aktivist*in, Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland Bund e.V.), Gülriz Egilmez (Projektarbeiter*in, Aktivist*in), Christiane Huber (Künstler*in, Theatermacher*in), Leon Kahane (Künstler*in), Sebastian Kirsch (Theaterwissenschaftler*in), Julia Köhne (Kulturwissenschaftler*in), Philipp Krüpe (Architekt*in und Kulturtheoretiker*in, Rechte Räume), Adetoun Küppers-Adebisi (Medien- und Gender-Aktivist*in und Diversity-Coach, Coalition of Cultural Workers Against the Humboldt Forum, Black Berlin Biennale), Michael Küppers-Adebisi (Lyriker*in und Multimediakünstler*in, Coalition of Cultural Workers Against the Humboldt Forum, Black Berlin Biennale), Patrick Lohse (Kameramensch und Produzent*in), hn. lyonga (Autor*in, Kurator*in), Angela Moré (Sozialpsycholog*in und Gruppenanalytiker*in), Julia*n Meding (Künstler*in, Performer*in), Elisa Müller (Institut für Widerstand im Postfordismus, Künstler*in, Performer*in, Regisseur*in), Kadir Özdemir (Künstler*in, QLM – Queeres Leben in der Migrationsgesellschaft), Massimo Perinelli (Historiker*in, Bildungsreferent*in, Rosa-Luxemburg-Stiftung), Peter Pogany-Wnendt (Psychotherapeut*in und Psychiater*in), Patrice Poutrus (Historiker*in und Migrationsforscher*in), Isabel Raabe (Publizist*in und Kurator*in, TALKING OBJECTS), Mala Reinhardt (Regisseur*in), Dominik Rigoll (Historiker*in), Pasquale Virginie Rotter (Moderator*in und Berater*in), Tucké Royale (Autor*in, Regisseur*in, Musiker*in und Schauspieler*in), sabuha salaam (gayhane im so36_club), Alexandra Senfft (Autor*in und Publizist*in), Barış Seyitvan (Künstler*in und Kurator*in), Sonja Smolenski (Boycott deutsche Leidkultur), Johannes Spohr (Historiker*in), Benedikt Stoll (Künstler*in, Mitbegründer*in der Guerilla Architects), Dana von Suffrin (Prosa- und Hörspielautor*in und Historiker*in), Katharina Warda (Autor*in und Moderator*in), Christian Weißgerber (Kulturwissenschaftler*in und Philosoph*in), Alexandra Weltz-Rombach (Filmemacher*in und Producer*in), Anna-Lena Werner (Kunsthistoriker*in und Kurator*in)

 

Trauma – rechte Zukunft / deutsche Geschichte(n) ist ein Projekt des Instituts für Widerstand im Postfordismus und der Vierten Welt, gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa und das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg.

Die Veranstaltung Trauma ´89 entsteht in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Die Veranstaltungen Menschen mit Nazi-Hintergrund und Gestern ist heute werden von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.

Idee/Konzept Annett Hardegen, Elisa Müller // Inhaltliche Mitarbeit/Konzept Sebastian Eis // Inhaltliche Beratung Melmun Bajarchuu, Anna-Lena Werner // Programm Artist Talk Wirya Budaghi // Programm Trauma ´89 Massimo Perinelli // Programm Installation/Talk Temporäre Denkmäler Coalition of Cultural Workers Against the Humboldt Forum (Adetoun und Michael Adebisi-Küppers), Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (Tahir Della), TALKING OBJECTS – Decolonizing Memory and Knowledge (Isabel Raabe), Benedikt Stoll // Presse Nora Gores

 

Über uns

Elisa Müller und mit ihr das Institut für Widerstand im Postfordismus beschäftigen sich seit 2018 mit dem Erstarken rechter Tendenzen und der Frage, welche Zusammenhänge zwischen den historischen Altlasten der rechten Geschichte Deutschlands und dem gegenwärtigen Rechtsruck bestehen. Annett Hardegen leitet die Vierte Welt und arbeitet seit gut zehn Jahren zusammen mit verschiedenen Künstler*innen, in diversen Formaten, um die Konsequenzen und Ausformungen des Zusammenspiels von Neoliberalismus und Rechtspopulismus sichtbarer werden zu lassen. Sebastian Eis beschäftigt sich als Philosoph*in mit Werdensprozessen und dem Verhältnis von Politik und Ästhetik.

Medienpartnerschaft:

ROOOM #1

TANZ / AUSTELLUNG | Vierte Welt

Mirjam Sögner

Sa. 02.04.22 | 17:00 – 20:45

Erstes Event der Veranstaltungsreihe ROOOMS für performative Erfahrungsräume

In 1938 schrieb sich die französische Schauspielerin Arletty in die Filmgeschichte ein, als sie auf einer Brücke auf dem Canal St. Martin stehend in bester Pariser Mundart brüllte:« Atmosphère ! Atmosphère ! Est-ce que j’ai une gueule d’atmosphère?” und dabei versucht eine Antwort auf ihren Spielpartner Louis Jouvet zu geben der ihr zuvor eröffnet hatte: “J’ai besoin de changer d’atmosphère, et mon atmosphère, c’est toi.”*

Arletty in der Rolle einer Prostituierte und Jouvet ihr Zuhälter sind in Hôtel du Nord ein Paar das zwischen Komik und Dramatik schwankt und in seinen Dialogen bisweilen zentrale Probleme der menschlichen Erfahrung streift, wie zum Beispiel das Spannungsfeld von Atmosphäre, Individuum und zwischenmenschlichen Beziehungen.

Mirjam Sögner und Emmilou Rößling widmen sich in ROOOM #1 den flüchtigen und fragilen Atmosphären und kreieren dabei einen Raum, der das schwer zu Fassende behutsam erfahrbar machen will. Dabei fragen sie, wie  sich etwas Ungreifbares wie eine Atmosphäre in einem Körper festsetzen kann und schwieriger noch, wie können Atmosphären erfasst oder sogar verändert werden. 

Die Besucher:innen durchlaufen dabei einen Parcours in dem sie auf verschiedene Materialien, Spuren von vorangegangenen Teilnehmer:innen und Texte treffen um in Reaktion darauf den Raum und seine Beschaffenheit weiter zu spinnen. Aus dem Individuellen Erleben baut  sich ein nuanciertes Archiv des Kollektiven auf. 

ROOOM #1 ist das erste Event der Veranstaltungsreihe ROOOMS, in dessen Rahmen vier temporäre, performative Erfahrungsräume im Laufe des Jahres geschaffen werden.

Die Reihe geht der Frage nach wie ein Raum durch das zur Verfügung stellen verschiedener Arten von Scores (Handlungsanweißungen) aktiviert werden kann und ein performatives Erlebnis für ein Publikum ermöglicht ohne das dafür Performer*innen nötig sind.

*

Jouvet: “Ich brauche eine andere Atmosphäre, und meine Atmosphäre bist du.”

Arletty “Atmosphäre? Atmosphäre? Sehe ich etwa aus wie ‘ne Atmosphäre?”

Konzept & Künstlerische Leitung ROOOMS: Mirjam Sögner
Erarbeitung ROOOM #1: Emmilou Rößling & Mirjam Sögner

Sound: Samuel Hertz

Produktion: Diethild Meier

Unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ – STEPPING OUT, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen der Initiative NEUSTART KULTUR. Hilfsprogramm Tanz.

Medienpartnerschaft:

Institut für Widerstand im Postfordismus “Böse Déjà-vus”

Theater | Vierte Welt 

Institut für Widerstand im Postfordismus

Fr. 25.03.22 | 20:00 – 21:00

Sa. 26.03.22 | 20:00 – 21:00

Programmänderung: 

Showing von “Böse Déjà-vus”

Work in Progress
 
Das Institut für Widerstand zeigt ein Showing ihrer aktuellen Arbeit „Böse Déjà-vus“.
Aufgrund von Krankheit im Team verzörgert sich die Präsentation der Premiere bis Mai.
Am 25. und 26. März zeigt das Institut einen Zwischenstand, der wiederum eine eigene Performance ist.
Anschließend laden die Künstler:innen zum Gespräch.
 

„Mein Urgroßvater war Psychiater und hat all seine Sitzungen akribisch notiert. Als ich dann später in Berlin mein Studium der Psychatrie-Geschichte aufgenommen habe, habe ich all seine Notizen akribisch studiert. Viele, viele Jahre später  –  es muss so Anfang der 2000er gewesen sein -, war ich eingesetzt in einer West-Berliner Einrichtung für schwer erziehbare Erwachsene. Sie waren alle um die 80 Jahre alt. Und sie waren nicht zu erziehen. Hat man sie gefragt: Wer bist du? Haben sie nur mit dem Kopf geschüttelt. Ich muss ganz ehrlich sagen, das hat mich herausgefordert. Ich habe mir die Zähne an denen ausgebissen. Einmal kam ich in die Klinik und einer der Patienten saß vorne im Foyer …“

In nahezu jedem Bereich des öffentlichen und privaten Lebens in Deutschland setzen sich nach 1945 die Nazi-Kontinuitäten fort. Eine ausreichende Entnazifizierung hat nicht stattgefunden. Weder im öffentlichen Sektor noch privaten Raum. Wo sollten sie hin? Sie können sich nicht in Luft auflösen, die Mitläufer:innen und Überzeugten, die Täter:innen wie Mitwisser:innen.

Was bedeutet es jetzt, 75 Jahre später einen Blick darauf zu werfen, aus der dritten, aus der vierten Generation heraus? Was ist in den Familien passiert? Wie haben sich die Nazi-Verstrickungen weitergetragen? Und was hat das alles mit den rechten Bewegungen in der Gegenwart zu tun?

„Böse Déjà-vus“ nimmt sowohl sozialpsychologische Theorien der Transgenerationalität wie auch die historische Faktizität von offensichtlichen und versteckten Nazi-Identitäten in der deutschen Gesellschaft nach 45 bis heute in den Blick. Dabei sucht die Performance des Instituts für Widerstand im Postfordismus nach einer analytischen und atmosphärisch-symptomatischen Perspektive.

Von und mit Vega Damm, Sebastian König, Michi Muchina, Elisa Müller, Marcus Reinhardt, Anna Helene Zöllner

Eine Produktion des Instituts für Widerstand im Postfordismus Kooperation mit Vierte Welt Berlin. Gefördert vom Fonds Darstellende Künste e.V.

Medienpartner: 

Monosnap 2022-03-17 06-00-21Monosnap 2022-03-17 06-00-21
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Voltage 2.0

Audiovisuelle Performance 

with Akkamiau

Fr. 11.03.22 | 20:00 – 21:00

Sa. 12.03.22 | 20:00 – 21:00

The electrostatic tension on the fields of disconnect.

The object of the audiovisual performance Voltage is to create together an aesthetically interesting and at the same time provocative audio-visual-movement content challenging the ideas we carry about ourselves and our connection and disconnection with our environment. Our new collaborative piece is based on the premises of deep ecology and ecofeminism, and it is analysing, interpreting and addressing the difficulties of our current situation and proposing possibilities for awareness and embodiment of new patterns of behaviour in the hope of self-reflection and sustainable action. The work includes movement choreography performed by the dancers of the collapsetofraction collective and dancers from Prague, a quadraphonic piece Xiao by Akkamiau, working with human emotional sounds and their interpretation generated by deep neural networks – an artificial intelligence speech learning technology, and artwork and live visuals by artist Jana Francova.

Credits:

concept and production by Lenka Kocisova, PhD http://akkamiau.weebly.com

spatial sound by Akkamiau https://soundcloud.com/akkamiau

visual art and live mapping by Jana Francova, PhD http://scalnivideo.janafrancova.cz/

concept, choreography, performance by collapsetofraction (Calvin Bernauer, Marlene Kahl, Canay D rtyol, Paula)

Pr brock) https://www.instagram.com/collapsetofraction

choreography, performance Mark ta Kuttnerov , Majda Junkov , Jolana Sturmov 

technical and light assistance by Roy Funke

Supported by Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds.

12 Hours of Nothing

12h Event |UdK Studium Generale in collaboration with Vierte Welt 

Sa. 12.02.22 | 12:00 – 24:00

12 Hours of Nothing The UdK Studium Generale in collaboration with Vierte Welt Berlin In his legendary “Lecture on Nothing”, composer John Cage claims that “what we require is silence, but what silence requires is that I go on talking”. In his unique and concise way, Cage points out that Nothing can only exist through specific modes of action, by demarcating zones of non-doing; in other words, Nothing is a practice.

In the past few weeks, we gathered at Vierte Welt and online, as part of the “Practices of Nothing” seminar; we read, discussed, and reflected upon the notion of Nothing in the context of artistic practice, as well as in the broader socio-economic context, namely, late-capitalism’s demands of constant production and commodification of everything.

Aiming to embody and explore the elusive notion of Nothing, we have formulated a collection of practices, installations, collective acts and individual mediations, which will be shared with the public at the “12 Hours of Nothing” event.

 

Join us on Saturday, February 12, anytime from noon till midnight, at Vierte Welt Berlin (2G+), or tune-in to the live streaming:

https://us02web.zoom.us/j/82021155710pwd=MjZGUlUwY1ZkL3dSZFk5b0ZVRWx1dz09    Meeting ID: 820 2115 5710, Passcode: 774319

Expect Nothing! *please bring your own headphones if you wish to experience audio pieces.

With and by: Rihua Jin | Zuki Ringart | Selin Demirel | Emily Adele | Yuxiao Feng | Tobija Hudnik | Jonas Frey | Morten Østerlund Larsen | Margarita Stiemerling | Saara Kolehmainen | Clio Maclellan

Seminar lead: Netta Weiser

Technical support: Aiko Okamoto

Gestern ist heute | transgenerationale Gefühlserbschaften

Offene Gesprächsrunde über transgenerationale Gefühlserbschaften

Do. 12.05.22 | 20:00 – 22:45

Angela Moré

Mehrere Generationen sind geprägt von den Geschehnissen während der NS-Zeit. Ereignisse, die mehr als 70 Jahre zurückliegen, beeinflussen noch heute unser Leben. Wie ist es möglich, dass sie bis in die Gegenwart Wirkung entfalten? Und wie wollen wir in Zukunft mit diesem Erbe umgehen?

Diesen und anderen Fragen wollen wir gemeinsam mit der Sozialpsycholog*in Angela Moré nachgehen. Im Anschluß an den Film „Vaterland“ von Thomas Heise wird in dem Gesprächsformat die Möglichkeit bestehen, nach einem kurzen Input von Angela Moré zur transgenerationalen Weitergabe von NS-Verstrickungen und Schuld, diese Zusammenhänge als sozialpsychologisches Phänomen sowie auch in Hinblick auf die eigene Herkunftsfamilie zu erörtern.

Eine offene Diskussionsrunde gibt allen den Raum für Austausch und das Erzählen eigener Erfahrungen.

Angela Moré, Dr. phil. habil., ist außerplanmäßige Professor*in am Institut für Soziologie der Leibniz Universität Hannover für das Lehrgebiet Sozialpsychologie. Sie ist außerdem Gruppenpsychoanalytiker*in und Gruppenlehranalytiker*in (D3G). Ihre Forschungsschwerpunkte sind: psychoanalytische Sozialpsychologie der Geschlechter und Generationen, psychodynamische Prozesse in Individuen und Gruppen. Seit vielen Jahren forscht sie zu Prozessen und Folgen der transgenerationalen Weitergabe von Traumata und Schuldverstrickungen und hat dazu zahlreiche Texte veröffentlicht

 

Trauma – rechte Zukunft / deutsche Geschichte(n) ist ein Projekt des Instituts für Widerstand im Postfordismus und der Vierten Welt, gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa und dem Bezirksamt Friedrichshain- Kreuzberg.

Unterstützt durch Medienparterschaft taz

Medienpartner: 

Gestern ist heute | transgenerationale Gefühlserbschaften

Gespräch

Sa. 14.05.22 | 15:00 – 19:00

Annett HardegenPeter Pogany-WnendtPatrice PoutrusTucké RoyaleAlexandra SenfftKatharina Warda

Ein Gespräch über transgenerationale Weitergabe, Migrationsbewegungen und Marginalisierungen in Ost und West

In einem ersten Teil wird es um die Möglichkeit eines Dialogs zwischen Täter*innen und Opfern bzw. deren Nachkommen gehen. Ausgangspunkt der Überlegungen ist die Erfahrung einer gemeinsamen Reise nach Auschwitz: Alexandra Senffts Reflexionen zu ihren Gefühlserbschaften aus der Täterschaft in ihrer Familiengeschichte und Peter Pogany-Wnendts Reflexionen zum Opfertum in seiner Familiengeschichte. Wo sind Gemeinsamkeiten, wo die Grenzen?

Anhand ganz konkreter Beispiele wie z.B. der Bedeutung von “uniformierter Polizei“ kann gezeigt werden, wie ein transgenerationales Erbe noch heute im Individuum und in gesellschaftlichen Prozessen unbewusst weiterwirkt. Dabei ist es jedoch immer wichtig, die psychologische und die politische Ebene zu unterscheiden. Denn oft werden die Grenzen zwischen den Nachkommen der Verfolgten und der Verfolger*innen instrumentalisierend verwischt oder es kommt gar zur Täter*innen-Opfer-Umkehr.

Im zweiten Teil wird der Erfahrungsbereich nochmals erweitert. In der transgenerationalen Weitergabe, in den Migrationsbewegungen und in den Weisen der Marginalisierungen und des Rassismus gibt es große Unterschiede zwischen BRD- und DDR-Erfahrungen. Tucké Royale, Katharina Warda und Annett Hardegen diskutieren vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen: Alle drei kommen aus der selben Region: Sachsen-Anhalt, haben aber aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe und Alter unterschiedliche Erfahrungen. Ausgangspunkt dieses Gesprächs ist Herkunft mit der Frage nach Klassismus und mehrfacher Marginalisierung. Gibt es ein DDR-spezifisches Traumata, inwiefern ist die Wiedervereinigung für Ostdeutsche traumatisierend gewesen und was gilt es für einen echten Dialog zwischen Ost und West zu bedenken.

In einem dritten Teil bringen wir diese unterschiedlichen Erfahrungen und Generationen in einen  offenen Austausch mit allen Gästen, um weiteren Perspektiven Raum zu geben.

Teilnehmer*innen:

Annett Hardegen geb. 1970 in Blankenburg/Harz studierte Theaterwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte an der FU-Berlin. Seit 2003 freischaffende Dramaturg*in und Produzent*in. Kontinuierliche Zusammenarbeit mit Dirk Cieslak, Boris Nikitin, Julia*n Meding, Lee Méir, Roni Katz, Heinrich Horwitz, Swoosh Lieu. Als Dramaturgin und Produzentin arbeitet sie für sophiensaele Berlin, HAU, Ballhaus Ost, FFT-Düsseldorf, Theaterhaus Jena, Theater Junge Generation in Dresden, Centraltheater Leipzig, Nationaltheater Weimar, Junges DT, Berlin Biennale, die Ruhr Triennale, Kaserne Basel und Gessnerallee Zürich. Sie ist Mitgründer*in und künstlerische Leiter*in von VIERTE WELT, einer freien Plattform für Performance, Politik und Diskurs in Berlin.

 

Peter Pogany-Wnendt wurde 1954 in Budapest geboren. Seine jüdischen Eltern hatten nur knapp die Verfolgung der Nazis überlebt, viele Angehörige wurden ermordet – ein Verlust, der die Familie tief prägte. 1956 flohen seine Eltern mit dem Zweijährigen während des ungarischen Volksaufstands nach Chile, 1970 dann nach Deutschland. Heute ist er Fachärzt*in für Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie in eigener Praxis in Köln. Er ist Vorsitzender des Arbeitskreises für intergenerationale Folgen des Holocaust, ehem. PAKH e.V. Hier sprechen Kinder von Verfolgten, aber auch Kinder von Täter*innen und Mitläufer*innen über ihre Familiengeschichte in unterschiedlichen Formaten wie einer Dialoggruppe und einer Literaturgruppe und suchen den Austausch. Mittlerweile sind auch Enkel und Urenkel dabei. 2019 hat er „Der Wert der Menschlichkeit – Psychologische Perspektiven für eine Humanisierung der Gesellschaft“ veröffentlicht und 2001 den Band „Das Ende der Sprachlosigkeit – Auswirkungen traumatischer Holocaust-Erfahrungen über mehrere Generationen“ mit herausgegeben.

 

Patrice G. Poutrus ist Zeithistoriker*in und Migrationsforscher*in. Er wurde in Ost-Berlin geboren und ist auch dort aufgewachsen. Ab 1990 studierte er Geschichts- und Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und im Jahr 2000 promovierte er an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Er war Mitglied im DFG-Netzwerk “Grundlagen der Flüchtlingsforschung” und ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Zentrum für Integrationsstudien der TU Dresden. Seit 2019 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter*in an der Universität Erfurt und forscht dort in einem BMBF-Forschungsverbund “Diktaturerfahrung und Transformation” zur Familienerinnerung an die DDR in Thüringen.  Im gleichen Jahr erschien im  Ch. Links Verlag sein Buch „Umkämpftes Asyl. Vom Nachkriegsdeutschland bis in die Gegenwart“.

Tucké Royale (geb. 1984 in Quedlinburg) arbeitet als Schauspieler*in, Autor*in, Regisseur*in und Musiker*in. Studium der Judaistik an der FU Berlin und Puppenspielkunst an der der Hochschule für Schauspielkunst “Ernst Busch”. Seine Theaterstücke “TUCKÉ ROYALE”, “Ich beiße mir auf die Zunge und frühstücke den Belag, den meine Rabeneltern mir hinterließen” und “Mit Dolores habt ihr nicht gerechnet. Ein jüdisch-queeres Rachemusical” sind bei rua. Theaterkooperative für Text & Regie verlegt. Erste Sprecher*in des Zentralrats der Asozialen in Deutschland und Mitgründer*in von BOIBAND. Initiator*in der Gedenkfahrt Stonewall Uckermark. Drehbuchautor*in und Darsteller*in des Spielfilms “Neubau. Ein Heimatfilm”. Autor*in des Hörspiels “The Revolution Will Be Injected”. Mitunterzeichner*in der Kampagne #actout im SZ-Magazin Februar 2021. Royale lehrt an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg Regie und schreibt gerade an “Oktoberkind”.

 

Alexandra Senfft arbeitet als Autor*in und Publizist*in. Nach dem Studium der Islamwissenschaft war sie parteilose Nahostreferent*in der GRÜNEN-Fraktion im Deutschen Bundestag, anschließend UNRWA-Beobachter*in in der Westbank und bis 1991 UNRWA-Pressesprecher*in im Gazastreifen. Sie war regelmäßig in Israel als Gutachter*in und Journalist*in tätig und hat sich fünf Jahre als Vorstandsmitglied des Deutsch-Israelischen Arbeitskreises für Frieden im Nahen Osten (DiAk) engagiert. Sie war TV-Reporter*in und Redakteur*in und schreibt seit 1991 für namhafte Zeitungen und politische Zeitschriften. Für ihr Buch „Schweigen tut weh. Eine deutsche Familiengeschichte“ wurde sie 2008 mit dem Deutschen Biographiepreis ausgezeichnet. 2009 erschien ihr Buch „Fremder Feind, so nah. Begegnungen mit Palästinensern und Israelis” und 2016 „Der Lange Schatten der Täter. Nachkommen stellen sich ihrer NS-Familiengeschichte“. Alexandra Senfft ist die 2. Vorsitzende des Arbeitskreis für Intergenerationale Folgen des Holocaust e.V., ehemals PAKH und Mitglied vom Ost-West-Forum, von Pro Asyl sowie von Reporter ohne Grenzen.

 

Katharina Warda wurde 1985 in Wernigerode (Sachsen-Anhalt) geboren und wuchs auch dort auf. 2014 absolvierte sie einen Magisterabschluss in Soziologie, Germanistische Literaturwissenschaft und Interkulturelle Wirtschaftskommunikation in Jena. 2008/09 studierte sie African Studies in Falun (Schweden). Seit 2015 ist sie Fellow der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien und promoviert in Berlin zur Widerständigkeit biografischer Erzählungen in Tagebuch-Blogs. Vor diesem Hintergrund verbrachte sie 2016/17 einen wissenschaftlichen Austausch an der Princeton University (USA). Daneben arbeitet sie als freie Autor*in mit Schwerpunktthemen Ostdeutschland, marginalisierte Identitäten, Rassismus, Klassimus und Punk. Seit 2021 ist sie Beiratsmitglied von Kein Schlussstrich!, einem bundesweiten Theaterprojekt zum NSU-Komplex. In ihrem Projekt „Dunkeldeutschland“ erkundet sie die Nachwendezeit von den sozialen Rändern aus und beleuchtet blinde Flecken in der deutschen Geschichtsschreibung, basierend auf ihren eigenen Erfahrungen als Schwarze ostdeutsche Frau in der DDR und nach 1989/90.

 

Trauma – rechte Zukunft / deutsche Geschichte(n) ist ein Projekt des Instituts für Widerstand im Postfordismus und der Vierten Welt, gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa und dem Bezirksamt Friedrichshain- Kreuzberg.

Unterstützt durch Medienparterschaft taz die tageszeitung

Medienpartner:

DAS IST NICHT MEIN LAND – Eine Video-Performance über ein unglaubliches Jahrhundert

Videoperformance

 

Mi. 02.03.22 | 20:00 – 22:00

Do. 03.03.22 | 20:00 – 22:00

Fr. 04.03.22 | 20:00 – 22:00

Performance mit Nachgespräch – Sa. 02.03.22 | 20:00 – 23:00

Das ist nicht mein Land erzählt anhand der Biografie eines Menschen ein Jahrhundert mit absurden und unglaublichen Verknotungen von Ereignissen, Orten und Schicksalen.

In einer Videolandschaft aus Brandenburger “Lost Places” entfaltet der Darsteller Malte Scholz die Erzählung eines Lebens. Es ist die unmögliche monströse Biografie eines widerspenstigen alten Mannes, der am Ende seines Lebens aus der Zeit gefallen ist. Wir nennen ihn: Herr M. Er ist Ingenieur, ein Mann der Wirtschaft und des Ostens. Sozialistischer Wirtschaftsführer und kapitalistischer Kiesgrubenbesitzer. Herr M. ist ein Mensch des „sowjetischen Zeitalters”. Ein Bürger der DDR. Ein Freund der „Russen”. Hitler-Junge in der Schlacht von Halbe. Er lebt in einer feuchten Niederung zwischen Schuppen, Maschinen und alten Bauwagen mit der Schäferhündin Elsa, Katzen, Hühnern und einem Pferd. 

Die Fäden dieser Erzählung(en) führen durch die Schrecken eines Jahrhunderts, um sich an ihren Enden in ein großes Nichts aufzulösen. Diese Geschichte ist erfunden und wahr in ein und demselben Moment. Hat Herr M mit Walter Ulbricht gezeltet? War er ehrenhalber ein Oberst der Roten Armee? Die Hybris, die aus seiner fantastischen Erzählung spricht, gründet in einem unbedingten Willen immer und ewig Chef sein zu müssen und zu wollen – und in einer ungebändigten Angst die angesammelte Macht zu verlieren, nicht wichtig zu sein.  

Das ist nicht mein Land, entsteht auf Grundlage von Interviews mit einem 90jährigen Zeitzeugen aus Groß Köris in Brandenburg, die in den Sommern 2020 und 2021 geführt wurden. 

Regie: Dirk Cieslak

Darsteller: Malte Scholz

Bühne: Michaela Muchina

Kamera/Schnitt: Amadeus Altmann

Videobearbeitung: Lea Nagano

Sound: Macarena Solervicens Ruz

Technik: Sebastian König-Hajman 

Dramaturgie+Produktion: Annett Hardegen

Eine Produktion der Vierten Welt, gefördert durch Senatsverwaltung für Kultur und Europa

Medienpartner:

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