mach mir angst! Komm näher.

Theater und Performance | 10 Jahre Vierte Welt

 Annett Hardegen 

Fr. 26.11.21 | 20:00 – 21:00

Sa. 27.11.21 | 20:00 – 21:00

Eintritt 5 / 7 / 11 Euro

Trailer:

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mach mir angst! Komm näher ist die mögliche Erzählung einer Hassliebe über die Versuchungen, die Identität verspricht und über die Unfähigkeit, sich in die jeweiligen Angebote einzupassen.

Keine Identität annehmen zu können, egal wie lockend die Bilder und Versprechen scheinen, ist eine Form von soziopathischer Weigerung. Und diese Unmöglichkeit kommt einer Verwundung gleich. 

Nicht zu passen, nicht dazuzugehören ist ein Schmerz. Eine Lücke, eine Wunde, die offen bleibt. Und wie ein Schnitt im Fleisch in sich selbst ein Streben nach Heilung birgt, reizt eine nicht endende Sehnsucht, sich wie ein Pflaster über alles zu legen. Jedes Bild, jede Vorlage, jede Gruppierung könnte der Schorf auf der Wunde sein.

Alle(s) verspricht Linderung.

Und jedes Angebot markiert eine Grenze. Jedes Bild, das wir betreten, in dem wir versuchen, ihm zu ähneln, ist eine Tür, die zuschlägt.

mach mir angst! versucht die Lücke im Ich in einen Bruch umzuformen, der den Bildern inne wohnt. Als eine Art Cover. Als ein Mantel, als Schutzhülle, die sich um uns schmiegt, die uns birgt. Cover(n) ist eine Entscheidung, uns von uns zu entfernen, ist eine Bewegung von uns weg, hinein in eine Allgemeinheit, der das Original gehört. Wir verzichten auf Originalität und bewegen uns im Freiraum einer nicht-identischen Simulation. Cover sind ein Erinnerungsapparat und der Raum einer Selbst-Überschreibung ohne Stabilität.

Im Wechsel eines Blicks von Mutter und Sohn, von 15*51 auf Berliner Leben erzählt mach mir angst! auch deutsche Geschichte im Wechsel der Systeme; in Pop-Musik und Propaganda-Videos die Herausforderung einer nicht-identifikatorischen Ich-Erzählung.

mach mir angst ist ein Musik-Video-Bild, mit Platz für gemeinschaftliche Erfahrung. 

Von Annett Hardegen  

mit Ari, Dirk Cieslak, Jacob Dobers, Thomas Fränzel, Kraus, Martina Neu, Max Reinhardt, Tucké Royale, Volkan T error und Annett Hardegen.

Bühne/ Kostüm und Set_Valentina PrimaveraVideo_Federico Neri 

Sound/ Video/ Technik_ Aiko Okamoto | Assistenz Bühne: Kallia Keffala

Care_Luisa Leppin

Eine Produktion im Rahmen des Festivals 10 Jahre Vierte Welt. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

 

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B A G The end is not an option

Theater und Performance | 10 Jahre Vierte Welt

Sa. 20.11.21| 20:00 

So. 21.11.21| 20:00

The End Is Not An Option ist eine nomadische Erkundung von Enden und Fortsetzungen. 6 Performer*innen ziehen Verbindungslinien vom Jetzt in die Vergangenheit und zurück in die Zukunft und versuchen dabei allgegenwärtigen apokalyptischen Prognosen zu trotzen. Wie eine Gruppe von Sammlern oder ein Wanderzirkus reist das Stück vor seiner Ankunft in der Vierten Welt an drei andere Orte, und überliefert dabei Stimmen und Träume von einem Ort zum nächsten.

Von und mit: Lisa Densem, Roni Katz, Manon Parent, Annegret Schalke, Xenia Taniko, Maya Weinberg, Produktionsleitung: Patricia Oldenhave, Annett Hardegen.

Eine Produktion im Rahmen des Festivals 10 Jahre Vierte Welt. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

Eintritt frei

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Mäandern, beutelpoetisch

Ein Text über das Projekt The End Is Not An Option von Jette Büchsenschütz

Beginnen wir mit einer Geschichte – einer von vielen, die auf der Bühne des FELD Theaters mit dem Publikum geteilt wurde: Lisas erste Konfrontation mit dem Thema Umweltschutz war das Ozonloch und die damit verbundene Gefahr zu starker Sonneneinstrahlungen. Vor allem in Australien und Neuseeland, wo Lisa aufgewachsen ist, war diese ganz reale Gefahr in den 1990er Jahre ein allzeit präsentes Thema. Lisa erinnert sich an den Wetterbericht, der regelmäßig darauf hinwies, dass z.B. nach sieben Minuten ein gefährlich hohes Sonnenbrandrisiko besteht.

Jede gute Geschichte stellt Fragen, die größer sind als wir selbst. Oder wie Donna Haraway schreibt: „Es ist von Gewicht, welche Geschichten Welten machen und welche Welten Geschichten machen.“ Und es ist ein ähnlicher Gedanke, der die Grundlage bildet für das nomadisierende Performance-Projekt The End is not an Option des Performance Kollektivs B A G.

Nicht nur ihr Name verweist auf das feministische, herrschaftskritische Beutel-Motiv der Schriftstellerin Ursula Le Guin. Auch das über mehrere Monate ausgespannte und in vier zwei-wöchentlichen Residenzen an wechselnden Orten verweilende Projekt versteht sich als eine Sammlung in Bewegung, das nomadisierend von Publikum zu Publikum zieht, mit ihm neue Geschichten und Dinge einsammelt und gemeinsam weiterspinnt.

Von einem Gemeinschaftszentrum in Berlin-Marzahn über Wahrenberg in Sachsen-Anhalt zurück ins Berliner FELD Theater und schließlich in die Vierte Welt am Kottbusser Tor reisend, sammeln sie, teilen, verteilen, erinnern, ernten, spekulieren, lernen von- und miteinander über Kapitalismus, Kollektivität und Klimakrise – über die großen Erzählungen, die uns verbinden oder eben trennen. Jeder der besuchten Orte eröffnet einen anderen Kontext, birgt andere Geschichten, Traditionen und Konflikte und andere Hindernisse in der kollektiven Verständigung. Dabei teilt sich das B A G Kollektiv – bestehend aus den Tänzer*innen und Choreograf*innen Lisa Densem, Roni Katz, Manon Parent, Annegret Schalke, Xenia Taniko und Maya Weinberg – alle Verantwortungen und Aufgaben. Es gibt keine Expertin, die für einen speziellen Bereich zuständig wäre, nichtsdestotrotz bringt jede von ihnen eine besondere Fähigkeit mit, so wie z.B. in Licht- und Setdesign, Komposition, Schlagzeug spielen, Dramaturgie oder Atemtherapie. Genauso wie diese Spezialisierungen in der Arbeitsaufteilung verwischen, verschwimmen auch die Grenzen zwischen Bühnenperformance, Workshop und Probe. Ihre Bereiche informieren sich gegenseitig, sodass aus dem gesammelten Material ein vielwurzeliges Wissensgeflecht entsteht, in dem Anfang und Ende keine Rolle mehr spielen, sondern nur noch die fortlaufenden Verknüpfungen. Ein Ende ist wirklich keine Option.

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The End Is Not An Option is a nomadic exploration of endings and continuations. 6 performers draw trajectories from the now into the past and back to the future while attempting to defy ever present apocalyptic predictions. As collectors or a wandering circus do, the piece travels through three other locations before arriving at Vierte Welt, gathering and transmitting voices and dreams.

By and with: Lisa Densem, Roni Katz, Manon Parent, Annegret Schalke, Xenia Taniko, Maya Weinberg. Production Management: Patricia Oldenhave, Annett Hardegen.

Bag-poetic meanderings

A Text about the project The End Is Not An Option by Jette Büchsenschütz, translated into English by Brandon Johnson.

Let’s start with a story – one of many shared with the audience on the stage of the FELD Theater: Lisa’s first encounter with environmental protection was the hole in the ozone layer and the excessive solar radiation – a very real danger and ever-present topic of discussion in the 1990s, particularly in Australia and New Zealand, where Lisa grew up. She remembers regular weather reports warning of a dangerously high risk of sunburn after only seven minutes in the sun.

Every good story poses questions bigger than ourselves. Or as Donna Haraway writes: “It matters what stories make worlds, what worlds make stories.” A similar notion forms the basis for the nomadic performance project The End is not an Option by the performance collective B A G.

The collective, whose name references writer Ursula K. Le Guin’s carrier bag metaphor, a feminist re-visioning of dominant narratives, similarly approached the project as a collection in motion, moving nomadically from audience to audience over the course of four residencies at four different locations, collecting and expanding on stories and experiences as they went.

As the group travelled from a community center in Berlin-Marzahn to Wahrenberg in Saxony-Anhalt, back to Berlin’s FELD Theater and finally to Vierte Welt at Kottbusser Tor, they collected, shared, distributed, remembered, harvested, speculated, and learned, from and with each other, about capitalism, collectivity and the climate crisis – about the major narratives that connect and divide us. Each of the sites they visited reveals a different context and holds different stories, traditions and conflicts, as well as various obstacles to collective understanding.

The B A G collective – consisting of dancers and choreographers Lisa Densem, Roni Katz, Manon Parent, Annegret Schalke, Xenia Taniko and Maya Weinberg – shared all responsibilities and tasks. And while no one played the role of an expert responsible for a specific area, each member nonetheless contributed a unique skill, ranging from lighting and set design to composition, drumming, dramaturgy and breath work. As these specializations blur in the division of labor, so do the boundaries between stage performance, workshop and rehearsal. Each of their fields informs one other, so that a many-rooted web of knowledge emerges from the collected material, in which ongoing connections, rather than beginnings and endings, are central. An end is truly not an option.

Gefährliche Fluchtlinien

gesellschaften | war machine

 

Di. 09.11.21 | 20:00

 

Bitte reservieren! Wir haben nur wenige Plätze. 

Es gilt 3G. Sie können auch online teilnehmen.

Zoom Meeting ID: 691 314 7323

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Wir werden das alte Kriegsmaschinenformat (Lesegruppe) in zwei kommenden Sessions zu einem vorläufigen Abschluss bringen und das Ende des Kriegsmaschinen Plateaus zusammen lesen und besprechen. Wir werden uns noch einmal dem Faschismus und dem gefährlichen Charakter der Fluchtlinien zuwenden. In diesen zwei Zitaten wird sowohl die Gefahr als auch die Aktualität des Problems benannt, dass wir schon in vielen Variationen diskutiert haben:

Fascism, Deleuze and Guattari suggest, implies a molecular regime distinct from molar segments: not the rigidity of state molarity but both the suppleness and the dangers of the line of flight.[…]The political problematique that emerges with Deleuze and Guattari’s conceptualisation of lines is accordingly this: if what holds the most promising creative potential also carries the most serious danger of destruction, and if the course of movement can be neither controlled nor predicted, then how to produce a politics of affirmative becoming without either getting bogged down in a regime of molar fascism or falling foul to a fascistic logic of destruction? – Leonie Ansems de Vries

What if fascism didn’t disappear at the end of WW II with the defeat of Hitler and Mussolini? Even more troubling, what if fascism can no longer be confined to political parties or ultra nationalist politicians but has become something much more diffuse that is spread across our societies as cultural expressions and psychological states? –  Mikkel Bolt Rasmussen

Es wäre gut/interessant, zum Thema Kriegsmaschine/Faschismus zwei Kapitel aus Brad Evans, Deleuze & Facsism – Security: war: aesthetics zu lesen, und zwar Kapitel 7 (Politics on the line) und Kapitel 8 (Fascist lines of the tokkōtai). Auf Wunsch schicken wir das Buch als pdf zu: Anfragen an gesellschaften@viertewelt.de.

Müde

Theater und Performance | 10 Jahre Vierte Welt

 Kallia Kefala 

Do. 28.10.21 | Fr. 29.10.21 | Sa. 30.10.21| 20:00

Do. 04.11.21 | Fr. 05.11.21 | 20:00

Eintritt 3 / 5 / 11 Euro

Medienpartn. Taz

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”MÜDE” ist eine Einladung, über das Leben und Arbeiten unter dem Druck von Effizienz und Leistung und über das Ideal der Selbstoptimierung nachzudenken. Darüber hinaus geht es darum, all diese Verhaltensweisen zu verlernen. Die Performance versucht, radikale Potenziale in der Müdigkeit zu finden und sucht nach neuen Möglichkeiten, miteinander und mit der Welt in Verbindung zu treten.

Müdigkeit ist ein weit verbreitetes Gefühl, das jede*r mindestens einmal im Leben, gespürt hat. Aber inwiefern können diese sehr individuellen Erfahrungen eine Grundlage dafür bilden, über Zustände des Müdeseins im Allgemeinen nachzudenken? Und sind Müdigkeit, Ermüdung und Erschöpfung ein und dasselbe? Angesichts dieser Komplexität scheint es sinnvoll, die eigene Erfahrung und Position, sowie eine kleine persönliche Narration zum Ausgangspunkt dieser Arbeit zu nehmen.

Kallia Kefala nimmt die Verflechtungen von Müdigkeit, Erholung, Produktivität und Selbstverwirklichung innerhalb unserer antagonistischen kapitalistischen Gesellschaft in den Blick. Dabei greift sie ihre eigenen Erlebnisse als queere, weibliche und in der Kunst arbeitende Migrantin auf und versucht einen physischen Raum zu schaffen, in dem diese Erlebnisse neu verhandelt werden, neue Formen und Gestalten annehmen und vor dem Publikum und mit dem Publikum zusammen verarbeitet werden können.

Es entsteht ein intimer öffentlicher Raum, eine weiche Hülle, innerhalb derer Behagen und Unbehagen koexistieren. Die Reibung zwischen Realität und Traum, Schwerkraft und Leichtigkeit, Privileg und Verantwortung produziert eine multisensorische Katastrophe. Hier wird nicht mehr geleistet, was verlangt wird. Es entsteht eine gemütliche Welt, die sich allen Erwartungen verweigert.

Konzept/Regie/Performance: Kallia Kefala, Dramaturgie/Bewegungsdramaturgie: Nefeli Gioti, Videodesign: Gloria Gammer, Sounddesign: Kim Bode, Lichtdesign: Claudia Rutz, Bühne-und Kostümbild: Kallia KefalaElisa Nelvand, Bühnenassistenz Pavlos Kapalas, Produktion: Annett Hardegen, Technische Leitung: Aiko Okamoto, Foto: Kim Bode

Dt. und engl. Sprache

Gefördert durch die Einstiegsförderung des Berliner Senats Abteilung Kultur und Europa und  durch das Take Action Programm des Fonds Darstellende Künste.

Medienpartnerschaft taz

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”MÜDE” is an invitation to contemplate on living and working under the pressure of efficiency and achievement and on the ideal of self optimization. Moreover, it is about unlearning those. The performance pursues to find  radical potentials in fatigue and explores new possible ways to connect with each other and with the world.

Being tired is a common feeling and everybody has, at least once, felt this way in their lives. Do these experiences, however, create a common ground considering weariness? And are weariness, fatigue, tiredness, exhaustion one and the same thing? Considering all these complexities it only seems sensible to start from the personal experience, from one’s one position, from a narration of small scale.

Kallia Kefala takes a closer look at the intertwinings between fatigue, rest and the ideas of productivity and self accomplishment in the context of our antagonistic capitalist society. In doing so she retrieves her own experiences as a queer, female and migrant art worker and tries to create a physical space in which they can be renegotiated, take new forms and shapes and be processed in public and with the public.

An intimate public space will emerge, a soft shell inside which comfort and discomfort coexist. The friction between reality and dream, gravity and lightness, privilege and responsibility creates a multisensorial disaster that resists to perform what it is being asked to. A cozy world where all expectations can be denied.

Concept/Direction/Performance: Kallia Kefala, Dramaturgy and Movement Dramaturgy: Nefeli Gioti, Video Design: Gloria Gammer, Sound Design: Kim Bode, Light Design: Claudia Rutz, Stage & Costume Design: Kallia Kefala, Elisa Nelvand, stage assistenz Pavlos Kapalas, Production: Annett Hardegen, Technical Supervision: Aiko Okamoto, Foto: Kim Bode

Funded by the Einstiegsförderung of the Berlin Senate Department of Culture and Europe and by the Fonds Darstellende Künste- Take action Program.

Media partner the taz