Branchentreffen

9. Branchentreff der Freien Darstellenden Künste

Ausnahmsweise!? Regeln einer Freien Szene

Sa. 23.10.21 | 14:00 + 17:00 

Müde: Workshop

Von und mit Kallia Kefala (Künstlerin) & Nefeli Gioti (Dramaturgin)

Fatigue and precarity are constantly present in the increasingly unsocial working conditions of a hyper-capitalized world of art. The workshop by the artists Kallia Kefala and  Nefeli Gioti seeks to create a space for reflection and collective learning upon the conditions that make us tired and upon the ways we can creatively resist them. Together we will navigate the complex field of fatigue through discussion, games and performative practices.

This workshop is based on materials and working methods of the performance MÜDE, which takes place from October 28th to November 5th at Vierte Welt.

Müdigkeit und Prekarität sind in den zunehmend unsozialen Arbeitsbedingungen einer hyperkapitalisierten Welt der Kunst ständig präsent. Der Workshop der Künstlerinnen Kallia Kefala und Nefeli Gioti schafft einen Raum für Reflexion sowie kollektives Lernen über all die Bedingungen, die uns müde machen und über die Wege, wie wir ihnen kreativ widerstehen können. Gemeinsam bewegen wir uns via Diskussionen, Spiele und performative Praktiken durch das komplexe Feld der Müdigkeit.

Dieser Workshop basiert auf den Materialien und Arbeitsmethoden der Performance MÜDE, die vom 28. Oktober bis 5. November in der Vierten Welt stattfindet.

In englischer Sprache 

So. 24.10.21 | 14:00 

Ohne Ahnung & Mit Scham: Impuls und Workshop
In ihrem Vortrag mit anschließendem Vertiefungs-Workshop greift die Dramaturgin und Performerin Lisa Schettel Zustände auf, die nicht nach Rebellion klingen, aber Potential bergen: Ahnungslosigkeit und Scham. Dabei teilt sie zunächst ihre langjährige Recherche und künstlerische Zugriffe auf die Themenfelder, bevor sie im Anschluss dazu einlädt, selbige aktiv in der Selbst- und Kollektivbefragung zu verarbeiten – ohne Ahnung und mit Scham, versteht sich 
 
Von und mit: Lisa Schettel (Dramaturgin)

 

Sa. 30.10.21 | 14:00 

Dissolving Our Market Value

Das Format „Dissolving Our Market Value“ lädt dazu ein, Solidarität und Differenzen in ökonomischen Fragen in Form der Community Care Praxis zu denken. Die Auseinandersetzung mit Qualitätsbegriffen wird eine besondere Rolle spielen, gemeinsam wird an der Auflösung verinnerlichter marktförmiger Strukturen gearbeitet, um solidarische Kunstpraxen zu stärken.

Melmun Bajarchuu (Critical Companion), Annett Hardegen (Dramaturgin/Produzentin/Co-Leitung), Julia*n Meding (Performancekünstlerin).

Green Open Food Evolution – Hybridisationprozesse in humaner und nicht-humaner Ingestion oder wie Bakterien Sex haben – mit Maya Minder

Workshopsprache: englische und deutsche Lautsprache mit Flüsterübersetzung dazwischn bei Bedarf.

Probiotika zur Verbesserung des Immunsystems, Veganer*innen leben gesünder und länger, Algen werden als neues Superfood gekürt. Laut einem wissenschaftlichen Artikel passte sich das japanische Mikrobiom über Jahrhunderte zur verbesserten Verdauung von Algen adaptiv an seine Umwelt an. In der japanischen Esskultur äussert sich die evolutionäre Epigenetik des menschlichen Mikrobioms. Die Verbesserung unseres Verdauungsapparates wird ebenso mit dem neuesten Trend zum roh-fermentiertem Kombucha hervorgehoben. Der Mensch und seine mikrobielle Verworrenheit mit seiner Umwelt schreit nach Veränderung von Gewohnheiten, ein mögliches Leben nach dem Ruin des Kapitalismus? Kann Veganismus tatsächlich dazu führen, dass wir pflanzlich werden? Als Foodart Künstlerin versucht Maya Minder in einem hands-on Workshops der Frage nachzugehen, wie Normen, Kontingente und Disziplinierung des Essens und darüber hinaus mittels Un-learning Prozessen aufgelöst werden können. Ein Workshop zum Thema Hybridisationsprozesse zwischen der Kulinarik, Biohacking und Evolutionstheorie.

Die in Zürich lebende Künstlerin Maya Minder nutzt kochen zur prozesshaften Verhandlung symbiotischer Koexistenz menschlicher und nichtmenschlicher Lebewesen. Dabei erzeugt sie Verflechtungen zwischen Gebrauchsgegenständen und animistisch gelesenen natürlichen Materialien. Sie realisierte Arbeiten im Rahmen der Ars Electronica, des Piksel Festivals Bergen und in der Kunsthalle Zürich. Sie ist Teil des BadLab Zürich und der International Hackteria Society.

Zugangsinformationen: Eine DGS Verdolmetschung steht bei Bedarf zur Verfügung. Nach Voranmeldung unter produktion@viertewelt.de gibt es die Möglichkeit, einen Fahrstuhl zu benutzen. Eine Toilette für Rollstuhlnutzer:innen ist leider nicht vorhanden. Das Gebäude bietet außerdem keine ausreichenden Markierungen für Teilnehmer:innen mit Sehbehinderungen. Wir bitten um Rückmeldung unter produktion@viertewelt.de, welche weiteren Wünsche und Bedarfe es gibt.

So. 31.10.21 | 14:00 

Dissolving Our Market Value

Das Format „Dissolving Our Market Value“ lädt dazu ein, Solidarität und Differenzen in ökonomischen Fragen in Form der Community Care Praxis zu denken. Die Auseinandersetzung mit Qualitätsbegriffen wird eine besondere Rolle spielen, gemeinsam wird an der Auflösung verinnerlichter marktförmiger Strukturen gearbeitet, um solidarische Kunstpraxen zu stärken.

Mit Melmun Bajarchuu (Critical Companion), Annett Hardegen (Dramaturgin/Produzentin/Co-Leitung), Julia*n Meding (Performancekünstlerin).

In englischer Sprache.

 
Working through Conflict and the Possibility of Inter-community Solidarity? – Mit Kathy-Ann Tan
 

Offen für Personen, die sich als Teil einer marginalisierten oder unterrepräsentierten Gruppe im Kunst- und Kulturbetrieb identifizieren – bitte schreib uns einen Satz an produktion@viertewelt.de, warum du gerne an diesem Workshop teilnehmen würdest.

 

Workshopsprache: englische Lautsprache mit Flüsterübersetzung bei Bedarf

In diesem experimentellen und partizipativen Workshop werden wir einige Strategien und Übungen diskutieren und brainstormen, wie wir mit Konflikten innerhalb unserer eigenen queeren, BIPoC* und anderen marginalisierten Communities in der Berliner Kunstszene umgehen können. Während “Vielfalt”, “Integration” und “Zugänglichkeit” in der Berliner Kunst- und Kulturszene in den letzten zehn Jahren an Bedeutung gewonnen haben, werden viele Versuche, Institutionen zu “dekolonisieren” oder antirassistische Methoden zu praktizieren, weiterhin durch Tokenisierung, Extraktivismus und Instrumentalisierung untergraben. Diese werden sowohl von weißen als auch von BIPoC-geführten Institutionen verübt und sind Spiegelung eines größeren “Teile-und-herrsche”-Mechanismus, der in weiß dominierten, westlichen Gesellschaften prägend ist. Wie können wir als QTBIPoC*-Künstler*innen und Kulturschaffende unsere eigenen internen Spaltungen, Spannungen und Konflikte überwinden und gleichzeitig verstehen, dass das übergeordnete Ziel darin bestehen muss, die Arbeit von unterrepräsentierten Künstler*innen zu unterstützen, die mit den Herausforderungen konfrontiert sind, sich sich in weißen Institutionen zurechtzufinden und zu überleben? Wie können wir ableistische Haltungen erkennen und hinterfragen? Sind gemeinschaftsübergreifende Formen der Solidarität möglich? Wie können wir Formen der Fürsorge, des “Calling In”s (im Gegensatz zu “Calling Out”) und des Austausches praktizieren, die weiterhin Raum für eine Vielzahl von abweichenden Stimmen schaffen, während wir auf ein größeres Ziel hinarbeiten, das Cis-Weiße-Hetero-Patriarchat abzubauen?

 

Kathy-Ann Tan ist eine in Berlin lebende Kurator*in, Autor*in und unabhängige Wissenschaftler*in für bildende Kunst und Performance, postkoloniale und dekoloniale Theorie, Critical Diversity Studies und Gender/Queer Studies. Sie interessiert sich für alternative Modelle der Kunstverbreitung, des Ausstellungsmachens und des Aufbaus von Institutionen, die auf Fragen der sozialen und transformativen Gerechtigkeit abgestimmt sind. Ihr laufendes Projekt www.decolonialartarchives.com zielt darauf ab, gemeinsam ein Online- und Offline-Forum für Künstler*innen, Kurator*innen und Kulturschaffende aufzubauen, um Wege zu entwickeln, koloniale Narrative zu hinterfragen und neokolonialen Formen von Herrschaft und Kontrolle entgegenzuwirken.

Zugangsinformationen: Eine DGS Verdolmetschung steht bei Bedarf zur Verfügung. Nach Voranmeldung unter produktion@viertewelt.de gibt es die Möglichkeit, einen Fahrstuhl zu benutzen. Eine Toilette für Rollstuhlnutzer:innen ist leider nicht vorhanden. Das Gebäude bietet außerdem keine ausreichenden Markierungen für Teilnehmer:innen mit Sehbehinderungen. Wir bitten um Rückmeldung unter produktion@viertewelt.de, welche weiteren Wünsche und Bedarfe es gibt.

 

EN_

Dissolving Our Market Value

by Melmun Bajarchuu (critical companion), Annett Hardegen (dramaturge/producer/co-director) & Julia*n Meding (performance artist)

The format invites the participants to consider solidarity and differences in economic questions in the form of community care practice. In doing so, a coming to terms with structures will play a special role and we will work together to consider solidary art practices.

 
Working through Conflict and the Possibility of Inter-community Solidarity?  – with Kathy-Ann Tan

Open to people who self-identify as part of a marginalised or underrepresented group in the arts and cultural scene – please write one sentence at produktion@viertewelt.de about why you’d like to attend this workshop.

The workshop will be held in English spoken language, “whispered translations” on demand. 

In this experimental and participatory workshop, we will discuss and brainstorm some strategies and techniques of how to deal with, and work through, conflict within queer, BIPoC* and otherwise marginalised communities in the arts scene(s) in Berlin. While “diversity”, “integration” and “accessibility” have become buzzwords in Berlin’s arts and cultural scene in the last decade, many attempts to “decolonise” institutions or practice anti-racist methodologies continue to be undermined by acts of tokenism, extractivism and instrumentalisation. These are perpetrated by both white- and BIPoC-led institutions, and is a reflection of a larger “divide-and-rule” mechanism at work in white-dominant, western societies. How can we as artists and cultural practitioners work through our own internal divisions, tensions and conflicts while still understanding that the larger goal must be to support the work of underrepresented and minority artists who are faced with the challenges of navigating and surviving institutional whiteness? How can we be aware of, and challenge, abelist attitudes? Are trans-community forms of solidarity possible? How can we practice forms of care, calling in (as opposed to calling out), and conversation that continue to create and hold space for a multiplicity of dissenting voices while working toward a larger goal of dismantling cis-white-heteropatriarchy?

 

Kathy-Ann Tan is a Berlin-based curator, writer and independent scholar of the visual arts and performance, postcolonial and decolonial theory, critical diversity studies and gender/queer studies. She is interested in alternative models of art dissemination, exhibition-making and institution-building that are attuned to issues of social- and transformative justice. Her ongoing project www.decolonialartarchives.com aims to collaboratively build an online and offline forum for artists and curators to develop ways of interrogating colonial narratives and countering neo-colonial forms of domination and control.

 

Accessibility information: DGS translation is available upon request. There is the possibility to use an elevator after advance notification at produktion@viertewelt.de. Unfortunately, there is no toilet for wheelchair users. The building also does not provide sufficient markings for participants with visual impairments. Please contact us at produktion@viertewelt.de to let us know what other wishes and needs you have.

Chor-Denken 3 | Chor und Sorge

gesellschaften

 Mit Sebastian Kirsch und Ulrike Haß  

So. 17.10.21 | 19:00 | Einlass 18:30

INDOOR + SREAMING

Eintritt frei | Für den Zutritt gilt die 3G-Regel 

Viele neuere Theaterformen teilen ein auffälliges Interesse an chorischen Praktiken. Diese Aktualität des Chores, der zunächst vor allem an die Tragödie und die griechische Antike denken lässt, mag auf den ersten Blick überraschen. Bei näherem Hinsehen ist sie aber keineswegs verwunderlich: Nicht nur waren Chöre historisch immer wieder verbunden mit Prozessen der „Gefügebildung“, in den überlieferten antiken Stücken begegnen sie auch als Träger von unterschiedlichstem „Umgebungswissen“, das dort im Regelfall mit kosmologischen und mythologischen Wissensformen zusammenhängt. Mit beiden Stichworten, Gefüge und Umgebung, sind aber Diskurse berührt, die Kunst und Theorie gerade heute stark umtreiben: Zu denken ist etwa an die anhaltende Konjunktur von Relationalen Modellen, die die Beziehungen in den Vordergrund stellen, in denen scheinbar geschlossene Dinge und Lebewesen stehen. Zu denken ist an ein verbreitetes Interesse an „Transversalität“, im Sinn von Übertragungsprozessen, die quer durch institutionelle Rahmungen und systematische Schließungen Ansteckungseffekte generieren (wofür allerdings auch die Pandemie ein Beispiel ist). Und zu denken ist an die heutige Bedeutung umweltbezogener Regierungsformen, die – im Verbund mit Netzwerktechnologien – Verhaltensweisen über Umgebungsvariablen zu steuern suchen (und die sogenannten „medienökologischen“ Theorien in den vergangenen Jahren großen Auftrieb gegeben haben).

Für die große Bedeutung des Chores im Gegenwartstheater scheint aber noch etwas anderes ausschlaggebend zu sein. Denn allein schon weil seine historischen Anfänge im Nebel liegen, lässt er sich nicht auf die Geschichte einer Institution „Theater“ reduzieren und weist in gewisser Weise über deren Rahmen hinaus. Gerade wegen dieses Schwellenstatus scheinen chorische Praktiken aber immer wieder in der Lage zu sein, betriebliche Selbstreferenzen aufzubrechen und disziplinär beschränkte Theaterkunst überhaupt „in die Welt“ hinein zu öffnen.

Der Theaterwissenschaftler Sebastian Kirsch geht der Geschichte des Chores im Kontext dieser Themen nach und stellt dabei die Frage, ob es eine Weise des Denkens und des Philosophierens gibt, die selbst chorisch genannt werden kann. An drei Abenden wird Kirsch, dessen Buch „Chor-Denken“ 2020 erschienen ist, gemeinsam mit drei Gästen diesen Möglichkeiten genauer nachspüren.

Veranstaltung 3: Chor und Sorge

(Sebastian Kirsch und Ulrike Haß)

Der Chor ist älter als die Tragödie und kommt von woanders her. In den überlieferten Stücken des 5. Jahrhunderts erscheint er immer wieder als Träger eines vielfältigen Umgebungswissens. Als Vielfältiges ist dieses Wissen notwendig uneinheitlich und nicht auf einen Nenner zu bringen: Es ist nicht auf ein großes (protagonistisches) Ego fokussiert, sondern bringt stattdessen die vielen, verzweigten und ihrerseits wieder in unabsehbaren Bezügen stehenden Anfänge zum Ausdruck, in denen sich Prozesse der Ich-Bildung allererst vollziehen können. Das chorische Wissen ist mithin ein Wissen der unabsehbaren umweltlichen Verflochtenheiten, ein Wissen darum, dass wir „Umwelt nicht haben, sondern Umwelt sind“ (Ulrike Haß).

Das dritte Gespräch der „Chor-Denken“-Reihe fragt nach möglichen Zusammenhängen zwischen diesem chorischen Umgebungswissen und den philosophischen Bemühungen um den Begriff der „Sorge“ (epimeleia), die im ausgehenden 5. Jahrhundert einsetzten (und die Michel Foucault zum zentralen Gegenstand seiner letzten Arbeiten machte). Unser Gespräch gilt wirklich verblüffenden Analogien zwischen Chor und Sorge: Auch in den Sorge-Philosophien der Kyniker, der Epikuräer und der Stoiker geht es immer wieder um die Einbettung des Einzelwesens in vorgängige Relationen, die häufig kosmologisch gedacht werden und die sich nicht genealogisch binden lassen. In ihren (lebens-)praktischen Übungen berufen sich Sorge-Schulen oft auf „uralte Praktiken“ (Foucault), die weit vor schriftkulturelle Überlieferungen zurückweisen – etwa auf asketische Übungen mit kathartischer Wirkung. Ähnlich wie der Chor ins Theater, geht darum auch die Sorge als weitaus älteres, disparates Element in die Philosophie ein. Und in beiden Fällen kann man beobachten, dass dieses ältere Element ab einem gewissen Zeitpunkt für ephemer gehalten wird, um dann aus expliziten Selbstbeschreibungen und Programmatiken schlicht zu verschwinden. Was lässt sich vor diesem Hintergrund über eine gemeinsame Geschichte von Chor und Sorge sagen? Und wie stellt sich diese im Licht aktueller Verwendungen des Sorge-Begriffs dar, der in seiner anglifizierten Variante als „Care“ Konjunktur hat?

Ulrike Haß lehrte bis Herbst 2016 Theaterwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum und hatte Gastprofessuren u.a. in Paris und Frankfurt/M. inne. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Verhältnis von Raum, Bild und Theater (Das Drama des Sehens), zu aktuellen Kontexten von Wissenschaft, Kunst und Öffentlichkeit sowie Gegenwartsdramatik und -theater, speziell zu Elfriede Jelinek, Heiner Müller und Einar Schleef. Anfang 2021 ist ihr Buch Kraftfeld Chor erschienen.


Eine Produktion im Rahmen des Festivals 10 Jahre Vierte Welt. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

 

Es ist nichts

Theater und Performance | 10 Jahre Vierte Welt

 Institut für Widerstand im Postfordismus 

Fr. 15.10.21 | 20:00

Sa. 16.10.21 | 20:00

Eintritt / 5 Euro

Absurde Performance über einen Bären im Museum und das Ende der Welt.

Vor ein paar Wochen bekam ich einen Brief. Dieser Brief war eine Einladung. Ich sollte eine Lecture zu der Frage „Verschwindet der Mensch unbelehrbar?“ vorbereiten. Geladen wurden ich und eine ganze Reihe weiterer Künstler:innen, Intellektuelle und WissenschaftlerInnen von einer Gruppe der Führungsriege aus Politik und Wirtschaft. Ich fragte meinen Mann, ob ich zu- oder absagen sollte. Schließlich ging es hier um eine grundsätzliche Frage. Hast du denn was zu sagen?, fragte er. Ich nickte. Noch am selben Tag setzte ich mich an den Schreibtisch. Als ich den Stift zum Papier führte, wurde auf einmal alles schwarz vor meinen Augen. Ich sah nichts mehr. Hilfe, rief ich zu meinem Mann, Hilfe! Er kam: Was ist denn los? Ich sagte, es ist alles schwarz. Ich sehe nichts mehr. Ich kann nichts mehr sehen! Er sagte: Mach dir keine Sorgen.

Konzept, Text, Performance Elisa Müller

Konzept, Dramaturgie Christoph Wirth, Vega Damm

Eine Produktion im Rahmen des Festivals 10 Jahre Vierte Welt, gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und des Instituts für Widerstand im Postfordismus, ermöglicht durch flausen+ – young artists in residence.

 

Foto credits:

Wald Fotos : @petervanheesen

Raum Foto : @institutwiderstandimpostfordismus

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artiCHOKE #20

Theater und Performance | 10 Jahre Vierte Welt

 artiCHOKE e.V. 

Do. 14.10.21 | 19:00 – 22:00

Eintritt frei / Free entree

Eine artiCHOKE Sonderveranstaltung – hinter den Kulissen.

A special artiCHOKE evening with the team behind the scenes.

ArtiCHOKE feiert mit der Vierten Welt und bringt das ganze Team auf die Bühne.

 

Es lesen (live und zugeschaltet): Adelaide Ivánova, Sam Langer, Lotto Thießen, Antoine Hummel, Joel Scott, Andrea Garcés, Lisa Jeschke, Marty Hiatt, Juan-Diego Otero, Tabea Xenia Magyar und Érica Zíngano.

Sprachen: Englisch, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch, Französisch

artiCHOKE is celebrating with the Vierte Welt and is bringing the whole team onto the stage to read their own work.

 

Eine Produktion im Rahmen des Festivals 10 Jahre Vierte Welt. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

„Pop und Propaganda“ Vol I

Theater und Performance | 10 Jahre Vierte Welt

 Max und „Drunk at your Wedding“ 

Mi. 13.10.21 | 20:00 – 21:30

Eintritt 5€ | Berlin Pass frei

Eine museale Live-Konzert-Lesung

Nach 12 Jahren liest Max vom Kollektiv der Vierten Welt seinen Text „Die Anatomie der Nische“. Verzahnt mit live gespielten Songs der Indiemusikerin „Drunk at your wedding“

In Abgleich der Gegenwart und des über 12 Jahre alten Versuchs einer Beschreibung der Gegenwart subkulturellem Lebens in Berlin, entsteht eine Lücke. Eine Erfahrung der Veränderung der letzten 12 Jahre in Empfindung, Vokabular und Perspektive.

Max liest diesen Text in der Rückschau. Teils Schamerfüllt, teils voller Überzeugung. Nach einigen Seiten erklingt ein Song und webt sich in die letzten Worte bis er anschwillt und den Raum übernimmt. In die letzten Klänge des Songs weben sich gleichermaßen die ersten Worte des nächsten Kapitels. So entsteht eine Fläche aus Wort und Sound der uns mitnimmt in die Zeiten der Berliner Ravekultur, der Bankenkrise und den letzten Hoffnungen des Antikapitalen. Oder den ersten seit der Wende? Also eine Lesung und ein Konzert gleichermaßen. Mit einem Drink in der Hand und dem Wissen was alles geschehen ist seit damals. Wie fremd sich manches nach 12 Jahren anhört und wie vertraut immer noch. Pop und Propaganda.

MAX ist fester performativer und organisatorischer Bestandteil der VIERTEN WELT. Darüber hinaus arbeitet er als Performer, Texter und Aktivist. Er wird dieses Jahr 50 Jahre alt.

Die Vierte Welt feiert ihr 10 Jähriges Bestehen. Und Max war Teil davon.

DRUNK AT YOUR WEDDING ist Nina.

Sie lebe in Berlin und spielt eine dunkle, melodiöse Mischung aus Songwriter-Folk, Garagenrock und Indiepop mit englischsprachigen Texten.

Ihr neues Album “I Have to Go Home”  https://drunkatyourwedding.bandcamp.com/ ist Ende Juni bei Bohemian Strawberry Records / Broken Silence erschienen.

Eine Produktion im Rahmen des Festivals 10 Jahre Vierte Welt. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

UNA PRIMAVERA

10 Jahre Vierte Welt | Film

 In Anwesenheit von Valentina Primavera & Federico Neri 

Di. 12.10.21  | 19:30 – 22:15

Eintritt / 5 Euro

Nach einer letzten Episode häuslicher Gewalt beschließt Fiorella, Mutter von drei Kindern, ihren Mann und ihr Haus zu verlassen. Mit 58, nach 40 Jahren Ehe beantragt sie schließlich die rechtliche Scheidung auf der Suche nach Freiheit und versucht ihr eigenes Leben zurückzuerobern. Die Filmemacherin Valentina, Fiorellas jüngste Tochter, beschließt, den ersten Schritten ihrer Mutter in die unbekannte Zukunft zu folgen. Eine komplexe Reise beginnt, die sowohl sie selbst als auch die Gemeinschaft mit den patriarchalischen Strukturen konfrontiert und deren verheerenden Auswirkungen auf ihre Familie und auf die Gesellschaft aufzeigt.

In Anwesenheit von Valentina Primavera und Federico Neri.

In italienischer Sprache mit deutschen Untertitel.

Una Primavera reiste weltweit von Festival zu Festival. Dies ist ein Auszug aus der Begründung der Jury der 43. Duisburger Filmwoche

„Carte Blanche“ Nachwuchspreis des Landes NRW:

Im Zentrum des prämierten Films steht eine zwiespältige Heldin, die zwischen Mut, Selbstmitleid, Familiensinn und Einsamkeit pendelt. Die Frage, die sie umtreibt, lautet: Kann ich meine Vergangenheit vergessen und im Leben nochmals neu anfangen? Die Regisseurin begleitet die Heldin ihres Films auf diesem ebenso schmerzvollen wie reinigenden Prozess. Sie erzählt die Geschichte einer dysfunktionalen Familienstruktur und fragt, in welchem System sich diese etablieren konnte. Wie ist die Selbstbestimmung einer Frau und Mutter möglich, wo noch offen das Männlichkeitsideal Mussolinis verteidigt wird?

Der Film ist eine Konfrontation mit der Unfähigkeit, über Unausgesprochenes innerhalb einer Familie zu sprechen. Die Regisseurin, die gleichzeitig die Tochter ihrer Heldin ist, ist Teil dieser Konfrontation und übernimmt im Film dafür die Verantwortung.

„Cos’è la famiglia?“ – Was ist die Familie? – so lapidar die im Film aufgeworfene Frage scheint, so komplex sind die Antworten, die der Film gibt. So zeigt er keine klassische Heldin, der der ersehnte Befreiungsschlag gelingt. Vielmehr führt er beispielhaft vor, warum die Konsequenzen des Patriarchats und der strukturellen Gewalt nicht einfach vergessen werden können – und auch nicht vergessen werden wollen.

„Separare non è dimenticare“ – Sich von etwas trennen, heißt nicht, es zu vergessen – diese Erkenntnis der Protagonistin ist am Ende die Legitimation für ihren ganz persönlichen Entschluss, zum Ehemann ins gemeinsame Haus zurückzukehren. Es ist aber auch die Legitimation des Films, uns diese private Familiengeschichte zu erzählen und durch sie eine systemische und politische Dimension sichtbar zu machen.

 

MIT

Fiorella Di Gregorio, Alessia Camilletti, Chiara Primavera

REGIE

Valentina Primavera

BUCH

Valentina Primavera, Federico Neri

SCHNITT

Federico Neri

PRODUZENT

Johannes Schubert

EXECUTIVE PRODUCER

Federico Neri, Valentina Primavera

SOUND & MUSIK

Macarena Solervicens

SOUND & MISCHUNG

Azadeh Zandieh

FARBKORREKTUR

Daniel Kraus

DCP

Martin Herold

GRAFIK

Andrea Cazzaniga

  PRESSE                               NOISE Film PR Mirjam Wiekenkamp 

  WELTVERTRIEB                  filmdelights 

 

Eine Produktion im Rahmen des Festivals 10 Jahre Vierte Welt. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

ANONYME ANWOHNENDE

Theater und Performance | 10 Jahre Vierte Welt

Mo. 11.10.21 – Mi. 13.10.21  | Ausstellung

Mo. 18:00 – 21:00 Eröffnung | Di. 12:00-21:00 | Mi. 12:00-19:00 Keine Reservierung nötig

PARTRIARCHAT FREIE ZONE

In den letzten Monaten ist es in Berlin immer wieder zum kurzfristigen Auftreten Patriarchatsfreier Zonen (PFZ) gekommen. Bei einigen Hindurchgehenden wurde eine euphorisierende Wirkung beobachtet. Vom 11.-13. Oktober wird nun eine dauerhafte PFZ in der Vierten Welt errichtet, um die bisher unbekannten Langzeitfolgen einer Patriarchat – Freie Zone – Exposition zu ergründen. Internationale Forscher*innen gehen davon aus, dass diese zu einer umfassenden Verbesserung des planetaren Wohlbefindens für alle Lebewesen führen könnte.

Bitte mitbringen: Smartphone mit QR-App und Kopfhörer.

Eine Produktion im Rahmen des Festivals 10 Jahre Vierte Welt. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

CLOUDS ON CLEAR SKY

Theater und Performance

Johanna Ackva + Akemi Nagao 

Do. 07.10.21 | 19:30 – 20:30

Fr. 08.10.21 | 19:30 – 20:30

Sa. 09.10.21 | 19:30 – 20:30

So. 10.10.21 | 19:30 – 20:30

Eintritt frei / Free entree

_DE

In einer Reihe von drei Soli und einem Duett setzen sich fünf Tänzer*innen unterschiedlicher Generationen und Backgrounds mit dem Tod und der eigenen Endlichkeit auseinander. Im Dialog mit der Künstlerin Johanna Ackva suchen sie nach einer individuellen körperlichen Sprache, die in der Lage ist, ein ungreifbares Phänomen greifbarer zu machen.

_EN

In a series of three solos and one duet, five dancers of different generations and backgrounds work with the topic of death, considering its social and political meaning as well as their own finiteness. In conversation with the artist Johanna Ackva, they are searching for an individual physical language aimed at translating an untranslatable phenomenon.

Mein Vater hat alles bis ins Kleinste vorbereitet. Er hatte einen Ordner, in dem war
alles aufgeschrieben: wer benachrichtigt werden muss, welches Gedicht gelesen
und welche Musik gespielt werden soll. Er wollte keine Kirche, weil er ja
sowieso nix damit am Hut hatte, er wollte mexikanische Musik.

Das ist ja wie wenn man von einer Person eingeladen wird, die aber nicht mehr lebt!

Ja. Er war schon immer ein guter Gastgeber. Wenn Du ihn besucht hast,
bekamst Du als Erstes einen Pisco Sour, dann war die Party schonmal gerettet.
Wir haben damals ein Foto gefunden von meinen Vater mit einem Tablett voller Drinks.
Das haben wir bei der Trauerfeier groß auf ein Tuch projiziert.
So hat er zu seinem Abschied alle begrüßt!

CLOUDS ON CLEAR SKY ist die dritte Performancearbeit, die Johanna Ackva aus ihrer langjährigen Auseinandersetzung mit Erfahrungen rund um Tod, Trauer und Endlichkeit – als Realität im Kern des Lebens – entwickelt. Für die fünf Tänzer*innen verschiedener Generationen und Hintergründe agiert die Künstlerin in diesem Projekt als Gesprächspartnerin und als Gegenüber. Das Aufgreifen autobiographischer Erfahrungen, das Nachdenken über emotionale und politische Implikationen des Todes, sowie das Eintauchen in ikonographische und poetische Dimensionen sind Werkzeuge für die Suche nach einer individuellen körperlichen Sprache, die in der Lage ist, ein ungreifbares Phänomen greifbarer zu machen. Sich verankernd in der eigenen Anatomie, auf den Atem hörend, die Haut und das Gewicht der Knochen spürend, lädt jeden Abend ein*e andere*r Tänzer*in das Publikum ein, einen Moment der intimen Selbstbegegnung mit ihr*ihm zu teilen.

Umschlossen und miteinander verwoben sind die drei Soli und das Duett eines Vaters mit seiner Tochter durch das kontinuierliche Einschreiben der Bewegungen in den Raum: tafelähnliche Flächen auf Teilen des Bodens und der Wände dienen den Tänzer*innen als Leinwand, auf der sie mit Kreide be-merkens-werte Momente ihres Tanzes markieren und unterstreichen können. Als Erinnerungen an vergangene Momente fügen sich ihre Kreidespuren in den Raum ein und werden sowohl zu Zeichen der Abwesenheit als auch zu Präsenzen, zu welchen sich die nachfolgenden Tänzer*innen in Bezug setzen.

CLOUDS ON CLEAR SKY entfaltet sich im Raum und über den Verlauf von vier aufeinanderfolgenden Abenden. So verstärkt die Arbeit unsere Wahrnehmung vom Verstreichen der Zeit und ruft unser Erleben von Verlust, Erinnerung und Transformation wach.

Eingebettet in die Probenzeit für CLOUDS ON CLEAR SKY im September ist eine dreiteilige Reihe von künstlerischen Interventionen. Kuratiert von Marie DuPasquier/ Display, Berlin öffnen diese gemeinsam mit eingeladenen Künstler*innen und Denker*innen immer Donnerstag abends einen Raum für die Auseinandersetzung mit Tod, Endlichkeit und Trauer aus der Perspektive verschiedener Kunstformen und Wissensgebiete.

Most people in Japan believe that if you pass away, your soul can sometimes come to visit. I don’t know exactly where this belief comes from. It has always been a normal thing. I met my grandmother after her death. It was in France.

In France? You met at the Eiffel Tower?

I was sitting in the back of a car that we were driving through nature to go climbing. I was just watching the landscape outside passing by when she came to the window.

Did she say something?

CLOUDS ON CLEAR SKY is the third performance work resulting from Johanna Ackva’s long term investigation into experiences around death, mourning, and finiteness as a reality at the very core of life. Working with dancers of different generations and backgrounds, the artist’s role in this project is that of an interlocutor and facilitator for each of them. Revisiting autobiographical experiences, reflecting upon emotional and political implications of death, as well as diving into its iconographic and poetic notions are tools for the search of an individual physical language aimed at translating an untranslatable phenomenon and sharing it with an audience.

CLOUDS ON CLEAR SKY unfolds as a series of three solos and one duet. Encompassing and interweaving the four consecutive evenings is the spacial design: an installation of blackboard-like surfaces on parts of the floor and the walls serves as a canvas for the dancers, who can choose to trace and/or outline re-mark-able moments of their dance with chalk. As reminders of past moments, lines and traces accumulate and become both, signs of absence and additional presences for the following dancers to reference.

Weaving into the rehearsal time for CLOUDS ON CLEAR SKY in September is a series of artistic interventions curated by Marie DuPasquier / Display, Berlin, which invites artists and thinkers and opens a space to get in touch with death, finiteness, and mourning through the lenses of their respective works and practices.

Credits:

Künstlerische Leitung, Choreografie: Johanna Ackva | Performance, Co-choreografie: Akemi Nagao, emeka ene, Jan Burkhardt, Sophie Kuhlmann, Regina Baumgart | Sounddesign, Komposition: Evelyn Saylor | Video, Projektionen: Max Hilsamer | Kostüm, Raumgestaltung: Bettina Mileta | Outside-Eye: Roni Katz | Künstlerische Assistenz: Carrie McILwain | Technik: Aiko Okamoto | Produktion: Valerie Terwei | Presse/ÖA: Aïsha Mia Lethen | Grafik: Ana Halina Ringleb

CLOUDS ON CLEAR SKY

Johanna Ackva, artistic direction

Marie DuPasquier, curation

Gefördert durch Hauptstadtkulturfonds Berlin. Mit freundlicher Unterstützung von DISPLAY, Berlin.