Chor-Denken 2 | Chor und Technik

gesellschaften

 Mit Sebastian Kirsch und Nicolas Siepen  

Sa. 25.09.21 | 19:00 | Einlass 18:30

Open Air + Streaming. Bitte warm anziehen.

Eintritt frei | Für den Zutritt gilt die 3G-Regel 

Chor-Denken

Sorge – Wahrheit – Technik 

Drei Veranstaltungen mit Sebastian Kirsch und Freund*innen. Juni – Oktober 2021 im Rahmen des Festivals 10 Jahre Vierte Welt. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

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Viele neuere Theaterformen teilen ein auffälliges Interesse an chorischen Praktiken. Diese Aktualität des Chores, der zunächst vor allem an die Tragödie und die griechische Antike denken lässt, mag auf den ersten Blick überraschen. Bei näherem Hinsehen ist sie aber keineswegs verwunderlich: Nicht nur waren Chöre historisch immer wieder verbunden mit Prozessen der „Gefügebildung“, in den überlieferten antiken Stücken begegnen sie auch als Träger von unterschiedlichstem „Umgebungswissen“, das dort im Regelfall mit kosmologischen und mythologischen Wissensformen zusammenhängt. Mit beiden Stichworten, Gefüge und Umgebung, sind aber Diskurse berührt, die Kunst und Theorie gerade heute stark umtreiben: Zu denken ist etwa an die anhaltende Konjunktur von relationalen Modellen, die die Beziehungen in den Vordergrund stellen, in denen scheinbar geschlossene Dinge und Lebewesen stehen. Zu denken ist an ein verbreitetes Interesse an „Transversalität“, im Sinn von Übertragungsprozessen, die quer durch institutionelle Rahmungen und systemische Schließungen Ansteckungseffekte generieren (wofür auch die Pandemie ein Beispiel ist). Und zu denken ist an die heutige Bedeutung umweltbezogener Regierungsformen, die – im Verbund mit Netzwerktechnologien – Verhaltensweisen über Umgebungsvariablen zu steuern suchen (und die sogenannten „medienökologischen“ Theorien in den vergangenen Jahren großen Auftrieb gegeben haben).

Für die große Bedeutung des Chores im Gegenwartstheater scheint aber noch etwas anderes ausschlaggebend zu sein. Denn allein schon weil seine historischen Anfänge im Nebel liegen, lässt er sich nicht auf die Geschichte einer Institution „Theater“ reduzieren und weist in gewisser Weise über deren Rahmen hinaus. Gerade wegen dieses Schwellenstatuts scheinen chorische Praktiken aber immer wieder in der Lage zu sein, betriebliche Selbstreferenzen aufzubrechen und disziplinär beschränkte Theaterkunst überhaupt „in die Welt“ hinein zu öffnen.

Der Theaterwissenschaftler Sebastian Kirsch geht der Geschichte des Chores im Kontext dieser Themen nach und stellt dabei die Frage, ob es eine Weise des Denkens und des Philosophierens gibt, die selbst chorisch genannt werden kann. An drei Abenden wird Kirsch, dessen Buch „Chor-Denken“ 2020 erschienen ist, gemeinsam mit drei Gästen diesen Möglichkeiten genauer nachspüren. 

Veranstaltung 2: Chor und Technik
 

Sebastian Kirsch und Evelyn Annuß 

„Wenn man […] die Lehre der Antike in aller Kürze, auf einem Beine fußend, auszusprechen hätte, der Satz müßte lauten: ,Denen allein wird die Erde gehören, die aus den Kräften des Kosmos leben.’“

(Walter Benjamin, „Zum Planetarium“)

 

Der zweite „Chor-Denken“-Teil fragt nach dem Verhältnis von chorischen Praktiken und technik- wie mediengeschichtlichen Zusammenhängen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass schon im frühen 20. Jahrhundert ein erneuertes Interesse am Chor als einer Instanz antiken Umgebungswissens mit dem gleichzeitigen Durchbruch neuartiger „Umgebungs-Techniken“ resonierte: das heißt von Techniken, die in bislang nicht gekanntem Maß artifizielle Umweltbedingungen an die Stelle eigenaktiver und darum traditionell als „natürlich“ angesehener Umweltprozesse treten ließen. Deutlich wird das etwa in der Rede von der planetarischen Technik, wie Walter Benjamin sie 1929 am Ersten Weltkrieg als eines „Versuch(s) zu neuer, nie erhörter Vermählung mit den kosmischen Gewalten“ erläuterte: „Menschenmassen, Gase, elektrische Kräfte wurden ins freie Feld geworfen, Hochfrequenzströme durchfuhren die Landschaft, neue Gestirne gingen am Himmel auf, Luftraum und Meerestiefen brausten von Propellern, und allenthalben grub man Opferschächte in die Muttererde.“

Für die spätere Entwicklung hingegen ist an dieser Stelle an die umweltlichen Steuerungsparadigmen zu denken, die zunächst in der Kybernetik der Nachkriegszeit formuliert wurden und die heute in der „kontrollgesellschaftlichen“ (Deleuze) Einbettung noch der alltäglichsten Vorgänge in rechenintensive künstliche Environments gemündet sind. Wie stellt sich darum die Frage des Chores im Licht unserer hyperkonnektiven Gegenwart dar? Wie verhalten sich chorische Praktiken zu netzwerkbasierten Formen des Regierens, die man – in Erweiterung einer Notiz Foucaults von 1979 – als „environmental“ bezeichnen kann? Und wie lassen sich vor diesem Hintergrund Parallelen und Differenzen zwischen planetarischem 20. und kontrollgesellschaftlichem 21. Jahrhundert beschreiben?  

 

Sebastian Kirsch ist Autor und Theaterwissenschaftler und hat in Bochum, Düsseldorf, Stockholm und Wien gelehrt. Zuletzt erschien Chor-Denken. Sorge, Wahrheit, Technik (zugleich Habilitation). Mit einem Forschungsprojekt zu Hermann Broch war Kirsch 2019/2020 als Humboldt-Stipendiat am German Department der New York University assoziiert, derzeit ist er am Berliner Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung zu Gast.  Daneben war Kirsch 2007-2013 Redakteur von Theater der Zeit; dramaturgische Zusammenarbeiten verbinden ihn mit Hans-Peter Litscher und Johannes Schmit.

Evelyn Annuß ist Theaterwissenschaftlerin und Professorin für Gender Studies an der mdw Wien. Ihre Studie „Volksschule des Theaters“ (2019) zeichnet Besetzungen des Chores im Thing-Spiel und in nationalsozialistischen Masseninszenierungen nach. Darüber hinaus ist Annuß Mitinitiatorin der Reihe „Populismus kritisieren“ www.mdw.ac.at/ikm/populismuskritisieren und arbeitet zur Zeit an ihrem Buchprojekt „Nomadic Drag“, das sich vom kreolisierten, transozeanischen Karneval bis zu den Demonstrationen von Querdenker:innen mit der Politizität des Auftretens im öffentlichen Raum beschäftigt.

Archiv: Chor Denken 1

Grief and Gratitude

Theater und Performance

 Johanna Ackva 

Do. 23.09.21 | 19:00 – 22:00

Im Rahmen von Johanna Ackva | CLOUDS ON CLEAR SKY

Eintritt frei / Free entree

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Aufgrund der aktuellen Lage der Pandemie, kann das Konzept des ursprünglich geplanten Abendessens nicht umgesetzt werden. Eine begrenzte Anzahl von Zuschauer*innen ist nun zu einem partizipatorischen Ritual und einer Lecture eingeladen.

Grief and Gratitude ist eine Recherche, die sich mit dem Friedhof als Garten und den essbaren Pflanzen, die darin wachsen, beschäftigt. In den vergangenen Monaten hat Carrie McILwain von Gräbern und ungepflegten Wildwuchsflächen auf Friedhöfen in Berlin geerntet. In einem privaten Ritual verwandelte Carrie McILwain die geernteten Materialien in Pesto, Sirup, Marmeladen und Bonbons. Carrie McILwain interessiert sich für die zyklische oder konstante Transformation, die möglich ist, wenn man aus dem Garten des Todes isst. Diese Arbeit reflektiert das Essen als notwendige Gewalt, als einen Moment des Opfers und der Einverleibung, an dem ein Material seine Form und Wirkung verliert, um mit dem Leben eines anderen zu verschmelzen und es zu erhalten. Wenn jede Mahlzeit eine Erzählung über den Tod hervorrufen kann, welche Rolle spielt dann Dankbarkeit in dieser täglichen Performance? Wie können wir die unvermeidlichen Transformationen, die mit dem Tod einhergehen, anerkennen? — Wie können rituelle Mahlzeiten Gemeinschaft stiften, Trennungen sichtbar machen, hungrige Geister füttern?

(in engl. Sprache)

 

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Due to the current conditions of the pandemic, the concept of the originally planned dinner will not be possible. A limited number of spectators are now invited to a participatory ritual and performance lecture.

Grief and Gratitude is a research focusing on the cemetery as a garden, and the edible plants which grow therein. Over the past months the artist has been harvesting from graves and untended wild sites of growth within cemeteries throughout Berlin. In private ritual the artist transformed the foraged materials into pesto, syrups, marmalades and candies. Interested in the cyclical or constant transformation possible when one eats from the garden of death – This work reflects on eating as a necessary violence; a site of sacrifice and incorporation as one material loses its form and agency to become with and sustain the life of another. If every meal can awaken a narrative of death, what role can gratitude play in this daily performance? How can we acknowledge the inevitable transformations which accompany death? – How do ritual meals reinforce separations, forge communion and feed hungry ghosts?

GRIEF AND GRATITUDE is part of the project CLOUDS ON CLEAR SKY, a series of events and performances on finitude, death and grief.

 

CLOUDS ON CLEAR SKY

Johanna Ackva, artistic direction

Marie DuPasquier, curation

 

Funded by Hauptstadtkulturfonds Berlin. With the friendly support of DISPLAY, Berlin.

Wahlrecht für alle! Demonstration! Die Vielen

Theater und Performance | Demonstration

 Die Vielen 

So. 19.09.21 | 14:00 

 Neue Nationalgalerie / Kulturforum 

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In Berlin starten wir den Aktionstag am 19. September um 14 Uhr am Kulturforum/Neue Nationalgalerie mit einer Demonstration und laufen von dort zum Platz der Republik. Dort findet ab 15 Uhr eine Kundgebung mit verschiedenen Aktionen statt. Ende: circa 17:30 Uhr.

Performances, Musik, mobiles Wahllokal und Symbolwahlen für Berliner*innen ohne Wahlberechtigung, Redebeiträge von und mit:
Bernadette La Hengst und der Chor der Statistik
Raphael Hillebrand
Minhee Ahn
Storytelling Arena „Haben wir die Wahl?“
Migloom / Petition Nicht ohne uns – 14% – Not without us
Demokratie in der Mitte
12 Volt
Philine Rinnert und Raul Walch

Schließt euch an! Kommt zur Demo mit Abstand und Maske und bringt glänzende Fahnen, Banner und symbolische Wahlzettel mit!

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A2Arabisch@0.5xA2Arabisch@0.5x
Bundestagswahl 2021_Wir wählen5@0.5xBundestagswahl 2021_Wir wählen5@0.5x
Bundestagswahl 2021_Wir wählen6@0.5xBundestagswahl 2021_Wir wählen6@0.5x
Bundestagswahl 2021_Wir wählen7@0.5xBundestagswahl 2021_Wir wählen7@0.5x

Torpor

Theater und Performance

 Laure Boer, Pina Bettina Rücker, Evelyn Saylor 

Di. 16.09.21 | 19:00 + 19:45 + 20:30

Konzert im Rahmen von Johanna Ackva | CLOUDS ON CLEAR SKY

Dauer : 15 min

Eintritt frei / Free entree

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Basierend auf statistischen Daten über die Anzahl der Todesfälle durch die Covid-19-Pandemie thematisiert TORPOR die Diskrepanz zwischen der Abstraktion von Zahlen und der persönlichen Erfahrung. Licht und Dunkelheit in der grafischen Partitur übersetzen sich in Klang und Stille.

Eine Brücke zwischen dem Globalen und dem Persönlichen schlagend, thematisiert die Partitur die Schwierigkeit, sich einerseits mit der Abstraktion der Covid-19-Pandemie und andererseits mit dem Versinken in einer Zeit gefühlter Erstarrung auseinanderzusetzen. TORPOR baut sowohl auf den statistischen Daten des Robert-Koch-Instituts über die Anzahl der Todesfälle durch die Pandemie in Deutschland, als auch auf Fotografien des Alltagslebens in dieser Zeit auf. Der erste Teil der Partitur erstreckt sich über Frühling, Sommer, Herbst und Winter 2020 und wurde im Rahmen von “Composite by the Numbers” (kuratiert von Dayang Yraola) präsentiert. Für CLOUDS ON CLEAR SKY wird die Partitur um drei Jahreszeiten erweitert, die in ihrer Länge der Dauer bis zum Start des Projekts im September entsprechen. Das Stück – welches von drei bis 13 Musiker*innen aufgeführt werden kann – wird an diesem Abend von Laure Boer (dan bau), Pina Bettina Rücker (Quarz-Klangschalen aus Silizium) und Evelyn Saylor (Gesang) interpretiert, wobei die drei ihre eigene Interpretation und musikalische Besonderheit in das Projekt einbringen. Jede Interpretin wählt eine Linie in der Grafik: Wo ein Licht ist, wird auch ein Klang gespielt. Die Ellipsen zeigen totale Stille an und verweisen auf die Anzahl der Toten in Deutschland. Die Fotos aus verschiedenen Jahreszeiten fungieren als narrativer Rahmen für die Kompositionen und erlauben somit eine sehr direkte Transkription von Empfindungen, vom Gefühl der Erstarrung, der Ungewissheit und der Notwendigkeit, jeden Tag Schritt für Schritt vorwärts zu gehen.

TORPOR ist Teil des Projekts CLOUDS ON CLEAR SKY, einer Reihe von Veranstaltungen und Performances über Endlichkeit, Tod und Trauer.

 

CLOUDS ON CLEAR SKY

Johanna Ackva, artistic direction

Marie DuPasquier, curation

Gefördert durch Hauptstadtkulturfonds Berlin. Mit freundlicher Unterstützung von DISPLAY, Berlin.

Bilder:

Titel: Pina Bettina Rücker. Photo by Samolé Jashi, 2020.

Bild unten: Laure Boer. Photo by Paul Rousteau, 2020

Schall & Rauch

gesellschaften | war machine

 

Di. 06.07.21 | 19:00

 Eintritt frei | Zutritt unter 3G-Regel oder online teilnehmen

Zoom Meeting ID: 891 4226 2917

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Durch das Sommerloch haben sich die Taliban zurück auf die große Bühne geschlichen, rechtzeitig zum Jahrestag von 9/11. 20 Jahre nach dem Gegenangriff der USA haben sie, in einem Blitzkrieg ohne Schlacht, die Supermacht in die Flucht geschlagen. Diese hatte ihnen in den 80er Jahren den Boden bereitet, auf dem die Attacken in New York 2001 ausgeheckt wurden. Nachdem die Sowjets 1989 aus Afghanistan gejagt waren, formierten sich im Chaos des folgenden Bürgerkriegs und unter dem Eindruck der großen Schmelze des Kalten Krieges, neue politische Kräfte, die den „Westen“ zurück in die Geschichte zwangen (nach ihrem vermeintlichen Ende), gerade weil sie nicht auf die alte revolutionäre Geschichtslogik zurück griffen, die Marx von Hegel geerbt hatte. Mit Deleuze & Guattari könnte man diese asymmetrischen Krieger der Logik der Kriegsmaschine zurechnen, als Wiedergänger, die sich angeblich längst von der politischen Bühne verabschiedet hatten. Mudschaheddin, Taliban, Osama Bin Laden, Al-Qaida, ISIS und zurück zu den Taliban: die De- und Re-territorialisierungsbewegungen einer Kriegsmaschine, die inmitten der kapitalistischen Moderne ein seltsames Archaisch-Futuristisches Außen à la Mad Max markiert, und die sich sowohl der Moderne als auch der progressiven Revolution verweigert. 20 Jahre nach 9/11 und dem War on Terror, hat sich weltweit eine andere faschistoide Gegenkraft dazugesellt, die dem historischen Faschismus beunruhigend ähnlich sieht, und deren politische Implikationen schwer abzusehen sind. Auch hier lässt sich von einer Kriegsmaschine sprechen, die sich weltweit gegen die liberale Hegemonie in Stellung bringt und die Staaten selber in Kriegsmaschinen verwandeln will. Vor diesem Hintergrund planen wir den verbleibenden Teil des Plateaus zur Kriegsmaschine bis Ende des Jahres in 4 Sitzung durchzuarbeiten und gemeinsam im Nebel der Geschichte zu stochern, der vor unseren Augen in Schall und Rauch aufgegangen ist. 

Eure Kinder werden so wie wir

Theater und Performance | Lecture | Video | Screening | Indierock

 KRAUS 

Fr. 10.09.21 | 20:30 – 21:30 

Kottbusser Tor – am Gecekondu von KottiundCo (gegenüber vom Café Südblock)

Sa. 11.09.21 | 20:30 – 21:30 

Hof des Hauses der Statistik

So. 12.09.21 | 20:30 – 21:30 

Kindl-Areal Neukölln, Am Sudhaus 2, in Zuhause e.V. 

Ein Live-Musik-Screening am Kottbusser Tor, der Karl-Marx-Allee und auf dem ehemaligen Kindl-Gelände in Neukölln

Eintritt Frei

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Die Vierte Welt und die Band Kraus begeben sich auf Tour durch die ehemals geteilte Stadt. Eure Kinder 2021 ist ein frei*luft*fest nach mehr als 30 Jahren Bestehen eines geeinten Deutschlands und findet im Rahmen des Festivals zum zehnjährigen Bestehen der Vierten Welt Das ist Kein Festival: ¿Wer sind wir jetzt * Where are we now? statt

Die Band Kraus hat einen 35 minütigen Song mit dem Titel Eure Kinder werden so wie wir komponiert. Erzählt wird deutsche Geschichte von 1990 bis 2015 beginnend nach dem Mauerfall. Es sind die Geschichte(n) eines geeinten Deutschlands und hier erzählt die Generation, die um 1990 geboren worden ist, in der die vormalige Trennung nur noch Geschichte ist. EURE KINDER ist ein Plädoyer für das Leben, für Menschen, die sich verbinden: gegen Mauern, Hass, Ohnmacht. Es ist ein Liebeslied auf das Leben, vital und menschlich, voll mit Unwägbarkeit und gefüllt mit Dingen, die es lohnt, herauszufinden. Ein Opus an eine Zukunft, in der wir alle Platz haben. Dieses Projekt ist buchstäblich ein 35minütiger Auftakt und so bringen wir ihn aus den gesicherten Kunstraum dahin, wo er gehört wird: auf die Straße; in die Stadt. Die Vierte Welt wagt zusammen mit Kraus eine Tour durch die ehemals geteilte Stadt.

Ausgehend vom Kottbusser Tor und dem Neuen Zentrum Kreuzberg, wollen wir auf die Karl Marx-Allee zum Haus der Statistik und aufs Gelände der ehemaligen Kindl-Brauerei in Neukölln.

Vom 10. -12. September 21 wird Eure Kinder an diesen drei Orten in Berlin an eine Hauswand/ Mauer gebeamt  und die Band spielt live dazu. Die Band bewegt auf einem LKW durch die Stadt. 

Kraus

Ein Film von Klaus Maeck und Aron Krause, Clipper/Freibank 2018

www.krausmachtmusik.de

www.eurekinder.de

Eine Produktion von Kraus und Vierte Welt. Gefördert durch Hauptstadtkulturfonds Berlin, Ruschstiftung, Draussen Stadt.

Bilderrechte liegen bei Jo Larsson 

EureKinder-(c)JoLarsson-8@0.5xEureKinder-(c)JoLarsson-8@0.5x
Eure Kinder PosterEure Kinder Poster
Kraus 01Kraus 01

Vale of Tears

Theater und Performance | Lecture | Video

 Magali Dougoud, Gesine Palmer 

D0. 09.09 | 19:00 – 21:00

Screening & Lecture im Rahmen von Johanna Ackva | CLOUDS ON CLEAR SKY

Eintritt frei / Free entree

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In the frame of this evening dedicated to the topic of tears and mourning, the artist Magali Dougoud and the writer Gesine Palmer will exchange on loss, remembering, weeping and fluids. The discussion will take place after the projection of the video ‚Le Continuum Bleu‘ by Magali Dougoud and a talk by Gesine Palmer.

Im Rahmen dieses Abends, der dem Thema Tränen und Trauer gewidmet ist, werden sich die Künstlerin Magali Dougoud und die Schriftstellerin Gesine Palmer über Verlust, Erinnerung, Tränen und andere Flüssigkeiten austauschen. Die Diskussion findet nach der Projektion des Videos ‘Le Continuum Bleu’ von Magali Dougoud und einem Vortrag von Gesine Palmer statt.

Beyond the enchanting image of its literal meaning, the expression Vale of Tears is related in the Christian tradition with the suffering path of life that one has to endure before dying; as to be observed in the homonymous monumental 19th century painting by Gustave Doré. However, the French understanding of “Vallée de larmes” is commonly dominated by a description of the skin lines formed by the passage of tears under the eyes, and notably used in the plastic surgery jargon. Whether a physical quality or a path of life, this title gives the tone for the evening. The artist Magali Dougoud and the writer Gesine Palmer will exchange on mourning, remembering, weeping and fluids. The discussion will take place after the projection of the video ‚Le Continuum Bleu‘ by Magali Dougoud and a talk by Gesine Palmer. 

‚Le Continuum Bleu’ connects together all the womxn whose paths and bodies have crossed the rivers and canals of the city of Berlin. They died and were killed there but their bodies and minds have risen together to form an original memory that joins distant pasts and potential futures. A new population has emerged from these losses and the violence they carry: the Womxn Waves. According to scientists, they have forgotten to silence one of the X chromosomes in their DNA, altering their identity and changing their shape. By reclaiming the sounds, textures and intervals of their voices they started to rebel. Once the water contained in their bodies merged with the one that contained them, they were ready to build a common body for the uprising. In a poetic approach and a narrative aesthetic close to speculative fiction, Magali Dougouds video questions the intrinsic violence of societies, mostly the one directed against womxn, and correlates it with the domination exercised by humans over nature. What will we reconstruct together from all our losses?

What does it mean to cry? What are tears made of? Why do emotional tears differ from tears caused by onions? What are their purposes and how do they define us individually, collectivity, as a society? Theologist, author and eulogy speaker Gesine Palmer unravels these and other questions through the prism of history, mythology and philosophy. Through a careful analysis of social representations, she reveals our relationship to tears and mourning highly gendered up until today. During this evening and in resonance with the projection of ‚Le Continuum Bleu‘, Gesine Palmer is invited to open the theme of crying as a form of resistance against loss and as an indicator for physical reality as well as an element regulating social life in the grieving process.

Gesine Palmer, lecture // Magali Dougoud, video

English, German, French language

 

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Über die bestechende wortwörtliche Bedeutung hinaus wird der Ausdruck “Tal der Tränen” in der christlichen Tradition mit dem Leidensweg des Lebens in Verbindung gebracht, den man vor dem Sterben durchlaufen muss – wie etwa auf dem gleichnamigen monumentalen Gemälde von Gustave Doré aus dem 19. Jahrhundert zu sehen. Das französische “Vallée de larmes” beschreibt darüber hinaus jene Hautfalten, die durch den Tränenfluss unter den Augen entstehen, und wird vor allem im Jargon der plastischen Chirurgie verwendet. Ob Körpermerkmal oder Lebensweg, der Titel gibt den Ton für den Abend an. Die Künstlerin Magali Dougoud und die Schriftstellerin Gesine Palmer werden sich über Trauern, Erinnern, Tränen und andere Flüssigkeiten austauschen. Die Diskussion findet im Anschluss an die Projektion des Videos ‘Le Continuum Bleu’ von Magali Dougoud und einen Vortrag von Gesine Palmer statt.

Le Continuum Bleu’ verbindet all die Frauen, deren Wege und Körper die Flüsse und Kanäle der Stadt Berlin gekreuzt haben. Sie starben und wurden dort getötet, aber ihre Körper und ihr Geist haben sich zu einer ursprünglichen Erinnerung zusammengefunden, die ferne Vergangenheiten und potenzielle Zukünfte miteinander verbindet. Aus diesen Verlusten und der Gewalt, die ihnen vorausging, ist eine neue Bevölkerung entstanden: die Womxn Waves. Laut Wissenschaftler*innen haben sie vergessen, eines der X-Chromosomen in ihrer DNA zum Schweigen zu bringen, was ihre Identität und ihre Gestalt verändert hat. Indem sie die Klänge, Texturen und Intervalle ihrer Stimmen zurückeroberten, begannen sie zu rebellieren. Sobald das Wasser in ihren Körpern mit jenem zusammenfloß, in dem ihr Leben  endete, waren sie bereit, einen gemeinsamen Körper für den Aufstand zu bilden. Mit einem poetischen Ansatz und einer narrativen Ästhetik, die der spekulativen Fiktion nahe kommt, hinterfragt Magali Dougouds Video die inhärente Gewalt von Gesellschaften, vor allem die gegen Frauen gerichtete, und setzt sie in Beziehung zur Herrschaft, die der Mensch über die Natur ausübt. Was werden wir gemeinsam aus all unseren Verlusten entstehen lassen?

Was bedeutet es, zu weinen? Woraus bestehen Tränen? Warum unterscheiden sich emotionale Tränen von Tränen, die durch Zwiebeln verursacht werden? Was sind ihre Zwecke und wie definieren sie uns individuell, kollektiv, als Gesellschaft? Die Theologin, Autorin und Trauerrednerin Gesine Palmer betrachtet diese und andere Fragen durch das Prisma von Geschichte, Mythologie und Philosophie. Durch eine sorgfältige Analyse gesellschaftlicher Repräsentationen zeigt sie, dass unser Verhältnis zu Tränen und Trauer bis heute stark gegendert ist. In Resonanz mit der Projektion von ‘Le Continuum Bleu’ ist Gesine Palmer eingeladen, das Weinen als Form des Widerstands gegen den Verlust und als Indikator für die körperliche Realität des Trauerprozesses, sowie als regulierendes Element des sozialen Lebens zu thematisieren.

Gesine Palmer, lecture // Magali Dougoud, video

In engl., dt. und franz. Sprache

Vale Of Tears ist Teil des Projekts CLOUDS ON CLEAR SKY, einer Reihe von Veranstaltungen und Performances über Endlichkeit, Tod und Trauer.

 

CLOUDS ON CLEAR SKY

Johanna Ackva, artistic direction

Marie DuPasquier, curation

 

Gefördert durch Hauptstadtkulturfonds Berlin. Mit freundlicher Unterstützung von DISPLAY, Berlin.

 

Titelfoto: 2_FriedWald Fürstenwalde, Hangelsberg, picture taken by Johanna Ackva while accompanying Gesine Palmer to a funeral ceremony, 2020.

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