Adolf Twittler

Veranstaltung_online | Vierte Welt

 
 politiken 

 

Fr. 28.10.19| 19:00

Was ist, wenn mediale Kunstfiguren oder Phantasmen der kollektiven Triebsteuerung die Macht übernehmen?

Wie ist Trumps überraschender Wahlsieg zu erklären? Was lässt sich aus seinem Aufstieg zum mächtigsten Mann der Welt über Wesen und Formen populistischer Politik lernen? Wie ist es überhaupt um die Zukunft der westlichen Demokratie bestellt? Und was kommt auf uns zu, wenn Donald Trump die Politik der USA bestimmt?

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Wie ist Trumps überraschender Wahlsieg zu erklären? Was lässt sich aus seinem Aufstieg zum mächtigsten Mann der Welt über Wesen und Formen populistischer Politik lernen? Wie ist es überhaupt um die Zukunft der westlichen Demokratie bestellt? Und was kommt auf uns zu, wenn Donald Trump die Politik der USA bestimmt?

Wir leben in einer großen Erzählung der Demokratie. Aber wir leben auch in einer großen Blase des Entertainment, der Kulturindustrie und der populären Mythologie. In der ersten Erzählung geht es um Interessen, um Erklärungen, Informationen, um rationale Entscheidungen, um Gesetze, Verträge und Verhandlungen. In der zweiten Erzählung indes geht es um Bilder, Mythen, Emotionen, Identifikationen, Spiele, Fantasien. Politik spielt sich längst in beiden Erzählungen ab, Politiker verkaufen sich wie Pop-Stars, und die sozialen Wahrheiten werden nicht in Regierungserklärungen, sondern in Kriminalromanen, Hollywood-Filmen und Comedy Shows verhandelt. Bislang schien es freilich, dass die meisten Menschen sehr wohl unterscheiden können zwischen den Sphären von politischer Realität und medialer Fiktion. Aber offensichtlich fällt diese Unterscheidung immer schwerer. Der Aufstieg populistischer Bewegungen, Parteien und Personen in den letzten Jahren hat ebenfalls auf diesen beiden Ebenen stattgefunden. Auf der Ebene der politischen Diskurse (als scheinbare Auflehnung gegen das »Establishment«, als Neo-Nationalismus, Anti-Liberalismus und vieles mehr) und auf der Ebene des Entertainments (als große Show, als Verlängerung des Trash-Fernsehens, des Sensationsjournalismus und der Werbebilder in die politische Welt). Der Präsident Donald Trump ist in der ersten Erzählung so gut wie gar nicht zu erklären. Um es rundheraus zu sagen: Seine Wahl ergibt de facto keinen Sinn, sie ist Nonsens, wenn auch natürlich gefährlicher Nonsens. Sieht man aber die andere Erzählung an, die des Entertainments und der populären Kultur, so wird rasch klar: Der Präsident Donald Trump ist ihr Produkt. Er war schon vorher nicht nur eine Medien- und Kunstfigur – als Gastgeber seiner »The Apprentice«-Show, als Gaststar in vielen TV- und Kino-Filmen, als »Ratgeber« für wirtschaftlichen Erfolg und Karrieretricks. Sondern er ist auch eine aus Medienbildern zusammengesetzte Projektion. In ihm stecken ebenso der gegen das »Establishment« rebellierende Outlaw im Western und im Gangsterfilm wie auch der Selfmademan und Tycoon in der Nachfolge von »Citizen Kane«; genauso aber auch der »Sugardaddy« der frivoleren Träume und die dreiste Cartoon-Figur wie Bugs Bunny oder Goofy, schließlich auch der Superheld wie Batman oder Captain America – und nicht zuletzt Frankensteins Ungeheuer.

Georg Seeßlen analysiert Donald Trump als Produkt der Kulturindustrie und verwendet das »Modell Trump« als Beispiel für den Zusammenhang populistischer Politik und medialer Vor-Bilder. Er zeigt den Inszenierungscharakter in Trumps Auftritten, die irrealen, emotionalen Verabredungen zwischen ihm und seinen Wählern, kurzum: den Popstar im Politiker. Populismus als politische Bewegung hat eine Wurzel in der Beziehung zu einem bestimmten Begriff von Volk. Populismus hat aber auch eine Wurzel in der populären Kultur, im Medienkonsum und in den Strategien des Showbusiness. »TRUMP! – Populismus als Politik« beschreibt, was geschieht, wenn die Medienträume und -albträume zu realer Macht werden, wie sich mediale Pop-Träume und populistische Politik zueinander verhalten und wie schließlich Politik sich dereinst womöglich nur noch als »Reality« verstehen lässt, als Fortsetzung einer virtuellen, affekt- und bildhaften Innenwelt in die Räume der (mehr oder weniger) »repräsentativen« Demokratie.

Reconfiguring urban imagination

Do. 17.10.2019 | 18:00 – 22:00 Eintritt frei | Free Admission

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In the previous session of Public Research we discussed visual archives and narratives of nation which were scattered, lost, or displaced, and are in recent years reclaimed by artistic practices. During the session we questioned the entanglement of these practices with notions of identity and self-determination, and examined them as acts of de/ reterritorialization.

In the upcoming session we will unfold the notion of the “nomadic archive”, which was at the center of the previous session, by introducing two artistic projects taking the performativity of memory as a presupposition and urban research as their strategy.

Nafiseh Fathollahzadeh will present “Momentography of a failure”, a collaborative photography and urban research project. This project seeks to develop the concept of participatory citizenship through practicing forms of appropriation, collaborative research, and participatory photography. “Momentography of a failure” approaches the urban edges to explore spatial transformations of urban landscapes through photography, the participation of locals and activating collective memories of those spaces. This practice invests in the performativity of the medium by creating and speculating the image-reality of urban spaces which could ultimately be a practice for the right of appropriation through image and text.

Dirk Cieslak will present the BLOCK project which starts with a claim: We – the inhabitants of blocks around the world – live in the ruins of post-war Fortschritts-Moderne. The time has come to imagine and realize masterplans of rebuilding, inventing new forms of living in the city. Through performance, performative guided tours and film, this nomadic project explores specific blocks around the globe; examine their history as artefacts of utopian modernism of the 1960, and their current existent as mute spaces appropriated by their actual residents.

Travelling between Zentrum Kreuzberg, Teheran, Addis Ababa, Tapiola/Espo, and Rom, in this session we will negotiate urban research as a site for the production of fiction, facts, spatial memories and new alliances. Connecting seemingly detached spaces and transforming sites into places- we will keep on asking – who owns the city?

public research is part of the program gesellschaften in the new House of Commons at Vierte Welt.

Devised by: Dirk CieslakGerko EgertStefan Hölscher, and Netta Weiser.

With support of Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Berlin.

Lob des Metall

gesellschaften

 
Lob des Metall

Di. 01.10.19  + 5.11 | 18:00 – 22:00     

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Plateau 12 über die Kriegsmaschine mündet in einer fulminanten Analyse über Schmiede, Metallurgie und einem „Lob“ auf das Metall an sich. 

Diese Passage ist laut Fredric Jameson eine der zentralen Entwürfe von TP. Skeptischer ist er allerdings über die in Plateau 13 über den Staat als Vereinnahmungsapparat entwickelten Thesen.  Wir befinden uns also in TB an einer entscheidenden Stelle (Fluchtlinie) und dem rauschenden Übergang von einem Plateau zum nächsten.

 

“Aus diesem Grund darf man erwarten, in der Analyse nomadischer Texte und mikrologischer Kriegsmaschinen die interessantesten Passagen zu finden. (Was den Staat angeht, bezieht sich das Interesse der jeweiligen Analysen vor allem auf den Vorgang des „Vereinnahmung“, der Aneignung und Annexion, die der Staat an seinen Satelliten ausübt, auf seinen begleitenden nomadischen und Guerillagruppen.) 

Die großartige Szene über Schmiede und Metallurgie ist es, in der sich die Demonstration einer Deleuzeschen ideologischen Analyse finden lässt, eine Analyse auf der Grundlage der Dualismen von Hjelmslevs Linguistik, die ihre Stärke aus Deleuze’ und Guattaris Insistieren auf der Exteriorität bezieht. 

Denn nicht nur die Kriegsmaschine ist dem Staat “äußerlich”. In gewissem Sinn ist alles, was in Tausend Plateaus theoretisiert wird, ein Phänomen der Exteriorität, da die Sprache der Interiorität, Subjektivität, Identität, der warmen Nacht, in der „alle Katzen grau sind“, selbst eines der polemischen Ziele des Deleuzeschen Denkens ist. 

Exteriorität jedoch, die nun plötzlich Beziehung bedeutet, öffnet ein gegebenes Phänomen zum Außen hin. Dadurch wird das einzelne Phänomen – sei es ein Text oder eine soziale Individualität – zu größeren externen Kräften in Beziehung gesetzt. Das traditionelle Vokabular der Ideologieanalyse ist ja ein relativ begrenztes, in dem für jedes dieser einzelnen Phänomene – für einen Text, eine Idee oder auch eine soziale Klasse –

 

Äquivalente gesucht werden und der Versuch unternommen wird, eine Korrelation herzustellen zwischen diesem und jenem Aspekt des Überbaus und der Bedingungen im Unterbau bzw. der Infrastruktur. Die Doktrin der Externalität transcodiert dies alles auf nützliche Weise und ermöglicht einen elastischeren Umgang mit dem Vorgang des Transcodierens, in dem es nicht

mehr um das Etablieren einer einfachen Eins-zu-eins-Korrelation zwischen zwei bereits vorhandenen Einheiten (beispielsweise Literatur und Gesellschaft) geht, sondern darum, zu zeigen, wie jeder Text Fluchtlinien kennt, die aus ihm selbst heraus führen, wie er scheinbar autonom ist, doch tief in seiner Struktur eine Art von Referenzialität birgt, eine Art Bewegung

aus sich selbst heraus zu etwas anderem hin.”

 

Marxismus und Dualismus bei Deleuze | Fredric Jameson

(Der ganze Text ist in the dropbox folder AKTUELL – Kein Zugang? Please sende eine E-Mail.)

links:

 

US military is a bigger polluter than as many as 140 countries – shrinking this war machine is a must. the conversation, 24.06.2019

http://theconversation.com/us-military-is-a-bigger-polluter-than-as-many-as-140-countries-shrinking-this-war-machine-is-a-must-119269

 

A Republic, If You Can Keep It: Masha Gessen Talks Autocracy with Timothy Snyder.

Brooklyn Historical Society, 25.05.2017

https://www.youtube.com/watch?v=EvW3rLd45Dw&t=3556s

»If it’s (Trump) Hitler, we can’t do anything, and if it’s not Hitler, we don’t need to do anything.«

 

Aaron Schuster, “The Debt Drive: Philosophical Anthropology and Political Economy”  A Jnanapravaha Mumbai Conference. 14.01.19  

https://www.youtube.com/watch?v=jX2N_vOidtY

 

»Is capitalism a humanism?«

Tracings

Theater | Performance

 
Tracings (in Arabisch, English, Deutsch) 

Nora Amin

Mi. 09.10. + Do.10.10.2019 | 20:00 – 21:00 

Karten/Bar 19:30 | Eintritt 7 Euro

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An encounter between two women who belong to different generations, and speak three different languages: Arabic, English and German. Together they trace the history of their femininity, in connection to homeland, patriarchy, foreignness and politics. 

They exchange roles and positions, and experiment with being in each other’s shoes across time. Their bonding becomes central to their healing and to their relation to the audience. They re-invent their references and roots, re-construct their memories and celebrate their womanhood.

 

In Arabisch, Englisch, Deutsch.

 

Writer & Director Nora Amin

Performer Nora Amin Steffi Sommer

Dauer: 60 minutes

The Valuable and the Vulnerable: Finance as Speculative Gesture

Erik Bordeleau SenseLab, Montréal

Mo. 07.010.2019 | 19:00 – 22:00| Eintritt frei | Free Admission

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In Capital and Time (2018), Martijn Konings reminds us that capital’s measures and calculations are performative devices that play an essential role in generating the very surplus they are envisioning. This performative and speculative aspect of value capturing is crucial if we want to approach financial matters creatively and re-think value at the end of the economy as we know it. How do we transform the traditional modes of value capture – and exposure – embedded in the current economic infrastructures and re-open them for the benefit of commons-oriented economies? How do we convert economic loops into social and artistic flows (and vice versa)? Ultimately, attempts to redefine financial processes gesture towards a shift from the conservative neoliberal subject of interest to the protean figures of the futurial conservationist, the radical commonist, and the transindividual metastable ensemble.


This presentation stems from three years of intensive collective experimentation in the field of cryptoeconomics and alternative finance as a core member of Economic Space Agency (ECSA). In recent years, a number of initiatives have sprouted around the new possibilities offered by blockchains or distributed ledger technologies and cryptographic computational tools to invent new modes of collective valuation and self-organization at scale. Operating within this emergent blockchain space and bringing together radical economists, software engineers, artists and social theorists, ECSA has been conceiving of derivative finance as an expressive medium that holds the potential to exceed the restrictions and extractive procedures of the current market economy.


Erik Bordeleau is researcher at the SenseLab (Concordia University, Montreal), fugitive planner at the Economic Space Agency (ECSA) and affiliated researcher at the Center for Arts, Business & Culture of the Stockholm School of Economics. He has recently taught a series of seminars in critical cryptoeconomics at the School of Disobedience at Volksbühne (Berlin).  With Saloranta & De Vylder, he is developing The Sphere, a p2p community platform for self-organization in the performing arts. He is based in Berlin and enjoys, from time to time, the discreet charm of the precariat.

Supported by the Senate Department for Culture and Europe  


extra upcoming events

Novembre 2019: Boyan Manchev, New Bulgarian University, Sofia

Februar 2020: Anders Carlson, Theatre Academy of the University of the Arts Helsinki