Vierte Welt | gesellschaften [ In Gründung* ]


Workshop | Jeden 1. Dienstag im Monat

the war machine has been televised

Latenz und Aktualität der politischen Theorie von Deleuze & Guattari


Der Workshop in der Vierten Welt ist als Lesegruppe und Kollektivimprovisation angelegt, die offen für Einflüsse ihrer TeilnehmerInnen ist und sich idealerweise aus der Situation heraus entwickeln soll. Die offene Gruppe trifft sich einmal im Monat in einem neuen Raum der Vierten Welt um 18:00 für ca. vier Stunden. Der Workshop konzentiert sich auf das Zusammenspiel von Kapitel III (Wilde, Barbaren. Zivilisierte) aus dem "Anti-Ödipus" und den Plateaus 12 + 13 aus "Tausend Plateaus". Von dort aus macht er Ausflüge in andere Texte und Materialien, die in einer sich füllenden Dropbox bereit liegen werden.


Initiiert von Dirk Cieslak - Stefan Hölscher - Nicolas Siepen - Christoph Wirth


Herzlich Willkommen!


Nächster Termin

Dienstag: 08. Januar 2019 | 18:00 - 22:00


Wir sind stehengeblieben auf Plateau 12 / Seite 506 und machen von dort weiter. Es geht ja insgesamt darum, das Konzept der Kriegsmaschine zu verstehen und an der Gegenwart zu testen. Laut D&G (soviel haben wir schon erfahren) wurde die historische nomadische Kriegsmaschine von der Logik des Staatsapparates besiegt, indem sie vereinnahmt wurde. Das hat die Kriegsmaschine jedoch nicht zum verschwinden gebracht. Sie insistiert nun auf allen möglichen ebenen im inneren der Staaten.



the war machine has been televised

Gilles Deleuze & Félix Guattari haben mit ihrem politisierten und kollektiven philosophischen Stil der Schizoanalyse entscheidende Impulse und Sounds der künstlerischen Avantgarden ihrer Zeit aufgenommen und in eine außergewöhnliche politische Theorie verwandelt. Die virtuellen Potenziale dieser Konzepte sind nicht ansatzweise ausgeschöpft (so die These). Das Projekt "Kapitalismus und Schizophrenie" ("Anti-Ödipus" und "Tausend Plateaus") hat auf historische Sackgassen linker Politik weitläufig reagiert und seitdem verschiedene Rezeptionswellen durchlaufen, die sich als Pop-Philosophie insbesondere in linken kulturellen Milieus und in den Künsten als Stichwortgeber sedimentiert haben. Diese Aneignungen hatten jedoch oft etwas Oberflächliches, und in gewisser Weise bewegten sich D&G immer asynchron zum Zeitgeist und gegen den Strich der sozialen Resonanz ihrer Arbeit (schlechtes Timing?). Erst im Lichte von 9/11 und der chaotischen Ereignisse, die sich seit den Einschlägen weltweit entfalten, begann das konzeptuelle Zusammenspiel von nomadischer Kriegsmaschine, Urstaat und kapitalistischer Axiomatik gefährlich zu funkeln, und eine pragmatische und konzeptuelle Weitsicht wurde offenbar. Der Aufstieg und Fall des Arabischen Frühlings, die Gründung und der Zusammenbruch des „sogenannten“ Islamischen Staats, die Wahl von Donald Trump und die Wiederkehr des Faschismus auf der Weltbühne sind Symptome dieses Chaos. Aus der Perspektive der Künste würde sich das Verhältnis zur Philosophie von D&G jedoch umdrehen: Sie ist jetzt nicht mehr wild wucherndes Reservoir von verführerischen Konzepten, sondern komplizierte Herausforderung an die von der kapitalistischen Axiomatik verschlungenen Produktionsbedingungen der Künste selbst. Der Workshop versucht sich dieser Perspektive zu nähern und sie zu entfalten.  [Nicolas Siepen]



* the war machine has been televised findet seit Juni 2018 am ersten Dienstag jeden Monats in der Vierten Welt statt. Interessiert sind eingeladen jederzeit dazu zu kommen. Als Teil der diskursiven Landschaft -gesellschaften- befindet sich the warmachine has been televised in einer Pilotphase. Die 'offizielle' Eröffnung in einem gemeinsamen Raum, dem Haus der gemeinen Leute,  ist für April 2019 in Planung.



english

the war machine has been televised

Latency and Actuality in the Political Theory of Deleuze & Guattari


Gilles Deleuze & Félix Guattari's politicized and collective style of making philosophy as schizo-analysis took impulses and sounds of the artistic avant-garde of the time and transformed those influences into an extraordinary political theory. The virtual potentials of these concepts are not yet exhausted and far from obsolete (that's the thesis). The project "Capitalism and Schizophrenia" ("Anti-Oedipus" and "A Thousand Plateaus") reacted on historical dead ends of left politics and since then went through several waves of reception, namely as Pop-Philosophy it functioned as a buzzword provider, especially for left cultural milieus and the arts. This kind of appropriation was surfing often only the surface and in a certain way D&G always moved asynchronously to the Zeitgeist and against the grain of the social resonance of their work (bad timing?). It was the impact of 9/11 and the chaotic events unfolding worldwide as a result, which brought to light how the interplay between concepts like the nomadic war machine, Urstaat and the capitalistic axiomatic started to sparkle perilously and thus making a pragmatic and conceptual vision manifest. Events like the rise and fade of the Arab Spring, the establishment and collapse of the “so-called” Islamic State, the election of Donald Trump as well as the rise of fascism on the world stage again, are symptoms of this chaos. From the perspective of the arts, the relation to D&G's philosophy would flip. From a rampant reservoir of seductive concepts to a tricky challenge of the very production conditions of the arts, intertwined with the capitalistic axiomatic on a whole new level. The workshop will try to approach and unfold this perspective.

[Nicolas Siepen]



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