gesellschaften | public research programm


Dienstag, 19.2.2019 , 19-22 Uhr


Juli Reinhartz und Gerko Egert

Ballsaal ohne König

Bewegung und ihre Produktionsbedingungen


Bewegung ist überall. Dabei – so wissen Choreograph*innen wie Pilot*innen, Tänzer*innen wie Hafenarbeiter*innen – ist Bewegung nicht einfach da, sie muss gemacht werden. Körperlich, maschinell, freiwillig, gezwungen – die Produktionsbedingung für Bewegung sind vielfältig. In einem Dialog über Bewegung, über die Techniken, Mittel und Bedingungen ihrer Produktion wollen wir uns den Fragen nähern, welche Faktoren (besonders im Tanz) dazu beitragen oder beigetragen haben, die Arbeit, die es bedarf um Bewegung herzustellen, zu verschleiern. Ist es das Fortleben eines Ideals der Leichtigkeit, wie es sich von den höfischen Tänzen bis zum Entspannungsideal von Yoga und Release Technik wiederfinden lässt? Ist es der König, der sich heute vielleicht nicht mehr im Publikum dafür aber vor dem inneren Auge befindet und das reibungslose Funktionieren seines Hofstaats einfordert? Ist es der alte kapitalistische Traum die Produktionsbedingung unsichtbar zu machen, um die schöne Warenwelt nicht zu zerstören? Geht es um die Verfügbarmachung der Körper in und durch Tanzsprachen, deren normierende und separierende Gewalt nicht aufscheinen soll? Oder ist es das Streben nach dem idealen flow, der eine Reibungslosigkeit der Arbeit, des Handels, des Reisen und des Tanzes verspricht? Inwiefern wiederholen sich im Tanz Prozesse, die auch im täglichen Leben vonstatten gehen und was bedeutet das dann für die Möglichkeiten von Tanz mit diesem Wissen umzugehen? Indem wir künstlerische und wissenschaftliche Forschungen zusammenbringen, wollen wir diese Fragen gemeinsam diskutieren und so die vielfältigen Herstellungsformen von Bewegung und ihre Konsequenzen für unsere Körper erkunden.