Vierte Welt | gesellschaften [ In Gründung* ]


Veranstaltungsreihe | Jeden 3. Dienstag im Monat

public research

Ein ungewöhnliches Kolloquium. Neue Praxen der Repräsentation, der Verhandlung und des Gesprächs über Forschung.



Im Dezember

Di. 18.12.2018 | 19-22 Uhr


Gottfried Schnödl und Maximilian Haas

Ästhetische Biologie bei Uexküll

Die Umweltforschung des deutsch-baltischen Biologen Jakob v. Uexküll ist eine der kuriosesten Positionen der Biologie des beginnenden 20. Jahrhunderts. Sie übte eine starke Wirkung auf die philosophische Anthropologie, die poststrukturalistische Philosophie oder das Denken der Kybernetik aus. In ihr bekunden sich sowohl die Risiken eines holistischen Weltbilds als auch die Möglichkeiten eines relationalen und prozessualen Denkens von Selbst und Welt. Die Ästhetik spielt dabei eine entscheidende Doppelrolle: Zum einen erweist sich die Sinnlichkeit als zentral für ihre Erkenntnis- und Darstellungsweisen, wie nicht zuletzt die Illustrationen und poetischen Sprachbilder in den Texten belegen. Zum anderen führen die künstlerischen bzw. musikalischen Metaphern, die Uexkülls Texte durchziehen, direkt in den epistemologischen und politischen Kern seiner theoretischen Biologie.



Im Januar: Di. 15.1.2019, 19-22 Uhr

N.N.


Im Februar: Dienstag, 19.2., 19-22 Uhr

N.N



Nächster Termin

Di. 18.12.2018 | 19:00 - 22:00


public research

Das Verhältnis zwischen Forschung und Öffentlichkeit ist zutiefst gestört. Forschung, die auch im Bereich der Geistes-, Gesellschafts- und Kulturwissenschaften zunehmend einer Rationalität der Bildungs- und Wissenschaftsökonomie unterworfen ist, die danach strebt, sie messbar zu machen, um Effizienz und Nutzen in validen Zahlen auszudrücken und sie so unter den Druck setzt, ergebnisorientiert zu sein und sich in Form von Publikationsraten und Peer Reviews evaluieren lassen zu müssen, findet in der Regel entweder auf dem Universitätscampus, in Bibliotheken oder innerhalb der privaten vier Wände am Schreibtisch oder lesend im Bett statt. Als solche ist Forschung meistens eine eher einsame Tätigkeit, die zusätzlich mit einem großen Konkurrenzdruck verbunden ist. Wer erschließt als erste oder erster ein neues Feld? Wer entwickelt den innovativsten Ansatz? Wer erweist sich als Expertin oder Experte für ein bestimmtes Thema? Der Begriff „Alleinstellungsmerkmal“ ist für Drittmittelanträge mindestens so wichtig wie in der freien Wirtschaft. Forschungsarbeit verbleibt weitgehend im Verwertungsapparat der Universität und zirkuliert bestenfalls in den ihr angeschlossenen akademischen Teil-Öffentlichkeiten, denen ihre Resultate in Form von Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen, auf Konferenzen oder in anderen Kontexten präsentiert werden. In der Forschung adressieren Akademikerinnen und Akademiker primär ein akademisches Publikum. Mit Forschung in diesem Sinne ist deshalb eine bestimmte Repräsentationspolitik verbunden, die in vielerlei Hinsicht überwunden werden muss.


In dieser Situation wollen wir daran gehen, neue Praxen der Repräsentation, der Verhandlung und des Gesprächs über Forschung zu finden. Getragen von dem Bedürfnis, aus dem Hochschulkontext auszubrechen und die Grenze zwischen universitären und anderen Milieus zu verwischen, ist es Ziel der Veranstaltungsreihe Public Research, Forschung neu im gesellschaftlichen Raum zu verteilen, um offene Anschlüsse an die Sphären des politischen Engagements, der Kunst wie auch Querverbindungen mit anderen Feldern zu ermöglichen. Forschung verstehen wir als Prozess, in dem eher unfertiges Arbeitsmaterial, das noch nicht durch festgelegte Sprechpositionen gerahmt ist, öffentlich zur Disposition zu stellen. Anstatt smoother Selbstdarstellungen oder Panel-Set-Ups geht es hier um die Bildung von Allianzen, transversale Verbindungen zwischen scheinbar unvereinbaren Ansätzen und die Annahme, dass gemeinsames Denken mehr bewirken kann als Denken alleine.


Das Format Public Research versteht sich als ungewöhnliches Kolloquium, in dessen Rahmen sich jeweils zwei Forschende für die Gestaltung einer Sitzung verantwortlich zeichnen und dabei weniger über ihre jeweils eigene Arbeit als vielmehr miteinander sprechen. Jedes Treffen wird mit einem maximal dreißigminütigen Dialog über eine Reihe von Problemen eingeleitet, die unter verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden sollen, bevor sie von allen gemeinsam weitergedacht werden. Gemeinsames Denken wird hierbei als eine Tätigkeit verstanden, die zwar in Übersetzungsleistungen besteht, gleichzeitig jedoch die jeweilige Singularität verschiedener Modi des Denkens anerkennt.


Eine Veranstaltungsreihe von und mit: Julia Bee | Elise Bernstorff | Dirk Cieslak | Gerko Egert Maximilian Haas | Jens Heitjohann | Stefan Hölscher | Sebastian Kirsch | Sapir Huberman

Juli Reinartz | Gottfried Schnödl | Mathias Schönher | Anne Schuh | Elena Vogman

Anna Volkland | Ana Vujanović | Netta Weiser ... Credits to be continued.



* Public Research findet seit Nov.2018 am dritten Dienstag jeden Monats in der Vierten Welt statt.

Als Teil der diskursiven Landschaft -gesellschaften- befindet sich public research in einer Pilotphase. Die 'offizielle' Eröffnung in einem gemeinsamen Raum, dem Haus der gemeinen Leute,  ist für April 2019 in Planung.





Archiv


#1 | Di. 20.11.2018 | 19:00 - 22:00

Gal Kirn und Stefan Hölscher

Excess of the Archive: Partisan Ruptures and Sensuousness