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Die ersten Dekaden des 21. Jahrhunderts haben klar gezeigt, dass das Ende der Geschichte, im Sinne einer letzten Synthese aller weltpolitischen Widersprüche, ein liberales Hirngespinst war. Die ernüchternde Klarheit dieser Erkenntnis steht im krassen Widerspruch zum gehetzten Durcheinander und der ungeheuerlichen Komplexität, die gerade auf der weltpolitischen Bühne zu beobachten ist. Nicht ein großer Hauptwiderspuch, sondern ein scheinbar undurchdringliches und wild wucherndes Geflecht aus Widersprüchen, Kräften und Faktoren, befeuern das Gefühl individueller und kollektiver Ohnmacht, über die der bittersüß duftende Frühnebel der Apokalypse schwebt. Produktions- und Artikulationstätte dieses Dickichts ist das Internet, das David Bowie schon 1999 als die „Alien Life Form" benannt hat, die es dann wirklich geworden ist: "...and the Alien likes to talk and twitter in billion tongues: 'Eye-Popping': Analysis shows top 1% gained $ 21 trillion in wealth since 1989 while bottom half lost $ 900 billion – 5 killed, 21 wounded in mass shooting in Odessa, Texas. Here’s what we know so far – Die Vernichtung des Amazonas wird auch Europas Klima verändern, warnt einer der führenden brasilianischen Umweltforscher…" Und und und…


Wenn der Amazonas und die Arktis gleichzeitig lichterloh brennen und die Konzentration von Reichtum und die Produktion von Elend solch absurde Dimensionen annehmen sollte man eigentlich davon ausgehen, dass wirklich etwas Großes und Bedrohliches im Busch ist. Aber selbst über die Frage, was das wäre, wie man es nennen und wie man darauf reagieren sollte, wird so heftig gestritten und verrückte Politik gemacht, dass die Institutionen repräsentativer Demokratie auf globaler Ebene heiß laufen. Deleuze & Guattari haben in den 1970er Jahren, gegen Hegels triumphal voranschreitenden Weltgeist, behauptet: „Die Vernunft ist stets eine dem Irrationalen abgerungene Region. Keine vor dem Irrationalen geschützte, sondern eine vom Irrationalen durchzogene Region."


So gesehen sind sehr alte und brandneue politische Kräfte und Figuren gleichzeitig auf die politische Bühne getreten, um ein Stück aufzuführen, dem man den paradoxen Titel "Archaic-Futurism“ geben könnte. Anstatt sich jedoch im Angesicht des Chaos in linker Melancholie gemütlich einzurichten, oder vorschnell futuristischen Techoträumen der Beschleunigung nachzujagen, bietet politiken etwas scheinbar altmodisches und mühsames:


In unvorhersehbaren, voraussetzungslosen, zuweilen ausufernden aber immer auch konzentrierten Gesprächen wollen wir ein gesellschaftendes politisches Denken entfalten und einüben, das versucht, Sinn zu machen wo Nonsens ist und so behutsam Raum für politische Kritik schafft und wenn möglich, Potentiale zur Unterbrechung und Zäsur sichtbar werden lässt. Alles kommt auf den Tisch, und das Singuläre im Lichte des großen Ganzen und Umgekehrt wird gemeinsam unter die Lupe genommen. Die Dehnung des unmittelbar Politischen in die Sphären von Philosophe und Kunst ist dafür unabdingbar.



Wir treffen uns einmal im Monat, in der Regel am letzten Montag im Monat von 19-22 Uhr.

Nach zwei Stunden gibt es eine Pause mit Essen und Trinken

Veranstaltungsort: Haus der Gemeinen | House of Commons der Vierten Welt

Gesprochen wird meistens Deutsch aber auch Englisch wenn erforderlich. Übersetzung ist unsere gemeinsame Aufgabe.


Entwickelt und gehegt von: Dirk Cieslak, Lukas Franke und Nicolas Siepen.


Mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Berlin.



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