Archiv No. 2 | Theoriekantine | Veranstaltungsreihe

Archiv 2  Theoriekantine ab  #11 7/2015


November | Sa. 05.11 | 20:00


Theoriekantine #13

Für eine künftige Kunst


Was kennzeichnet die zeitgenössische Kunst, im Unterschied zur modernen Kunst? Dies war eine der zentralen Fragen, die wir in der Theoriekantine #8, in Auseinandersetzung mit Juliane Rebentischs Buch "Theorien der Gegenwartskunst" diskutiert haben. Wenn die Kennzeichen richtig bestimmt worden sind, liegt aber sogleich die Vermutung nahe, dass die Zeitgenössische Kunst, mit ihren Eigenschaften, mit ihrem politischen Projekt, mit ihren Theorien, auch (nur) eine Epoche künstlerischer Entwicklung darstellt; und nun womöglich zu Ende geht. Wie erklärt sich, dass das, was "Kunstwerk" und "künstlerische Tätigkeit" heißt, solchen radikalen historischen Umbrüchen unterworfen ist? Inwiefern ist es die spezifische zeitliche Struktur zeitgenössischer Kunstwerke, aufgrund derer sie unzureichend bzw. verwerflich erscheinen? Welche Anforderungen lassen sich für eine Kunst formulieren, die die zeitgenössische Kunst ablöst?


Anlässlich seiner jüngst im Merve Verlag erschienenen "Notate für eine künftige Kunst" diskutiert Ludger Schwarte mit Kathrin Busch, Juliane Rebentisch und Georg Bertram.


Gäste der Theoriekantine # 13

Kathrin Busch Professorin an der UdK Berlin im Fachbereich Product & Fashion Design

Georg W. Bertram Professor am Institut für Philosophie FU Berlin




Samstag 19. Dezember 2015 | 20:00


Theoriekantine #12

Mimesis


Vielleicht ist es an der Zeit, eine Selbstverständlichkeit der zeitgenössischen Kunsttheorie zu verabschieden: das Dogma von der Mimesis-Feindlichkeit aller künstlerischen Praxis. Die gängige ästhetische Fortschrittserzählung geht davon aus, dass sich das moderne Kunstverständnis als Antithese zum antiken Mimesis-Paradigma herausgebildet hat – zur Auffassung, dass alle artistische Darstellung auf eine „Nachahmung der Natur“ verpflichtet und insofern keine genuin schöpferische Tätigkeit ist. Folgt man dem Philosophen Hans Blumenberg, dann hat diese Verwerfungsgeschichte der Nachahmung jedoch eine Kehrseite. Denn das „vehemente Pathos“, mit dem das Attribut des Schöpferischen für die Kunst gewonnen wurde, lässt paradoxerweise die Nachahmung als einen „mimetischen Drang“ wiederkehren, der auf den mobilisierten Energien der kreativen Freiheit wie eine Hypothek lastet. Wenn diese Einschätzung richtig ist, dann kann man nicht mehr davon sprechen, dass Mimesis als Nachahmung einfach von Kreativität, Spontaneität und Genie abgelöst wurde; stattdessen erscheint es sinnvoll, die Frage nach dem Fortleben der Mimesis gerade auch in der zeitgenössischen Kunst zu stellen.


In der zwölften Ausgabe der Theoriekantine diskutieren Maria Muhle, Juliane Rebentisch, Ludger Schwarte und Dirk Setton die Relevanz und Aktualität anti-kreativer mimetischer Strategien in der Kunst. Können Praktiken der akribischen, pedantischen oder mechanischen Wiederholung des „Gegebenen“ die hartnäckige Kreativitätsemphase und den Neuheitsimperativ in der Kunst infrage stellen? Haben wir es in künstlerischen Strategien des Reenactment, des Dokumentarismus und der Fotografie mit einer neuen Relevanz des Mimetischen zu tun?


Die Textgrundlage für die Diskussion ist Hans Blumenbergs Aufsatz „›Die Nachahmung der Natur‹. Zur Vorgeschichte der Idee des schöpferischen Menschen“ (1957), in: Wirklichkeiten in denen wir leben, Reclam 1981, S. 55-103. PDF Link


Wir laden ganz herzlich ein, mit uns zu diskutieren!





Freitag 24. Juli 2015 | 20:00


Theoriekantine #11

Die Hölle der Partizipation


Auch die Theoriekantine lebt von der Partizipation: Partizipation meint hier die Teilnahme an einem Gespräch, an der Aufführung eines Gesprächs, an der Chance, einen Gedanken zu entwickeln – und impliziert das geteilte Vergnügen, diese Chance weitgehend ungenutzt verstreichen zu lassen. Partizipation ist dort, wo sie über das unvermeidliche Zusammenspiel zwischen Akteuren und ihrem Publikum hinausgeht, eine demokratische Forderung, eine kommerzielle Strategie oder ein künstlerisches Verfahren. Alle diese Optionen können zu Mitmachstress, zum Posieren mit dem Mikrofon, zum Verwischen von Verantwortlichkeiten und zur Fetischisierung des Zustimmungsklicks führen, aber nicht unbedingt auch zu reeller Beteiligung an Entscheidungen oder zu deren qualitativer Verbesserung. Gezwungen, ein Spiel mitzuspielen, dessen Grundlagen und Ziele sie verabscheuen, erleben viele die immer umfassenderen Möglichkeiten der Interaktion und Kommunikation als das Gegenteil von adäquater Teilnahme oder von Selbstbestimmung. Diese Hölle der Partizipation verwandelt das Publikum in Statisten, die ihre verwundbare Lebendigkeit zur Schau stellen, nicht in Akteure. In dieser Ausgabe der Theoriekantine wollen wir zunächst von dem Umstand ausgehen, dass in den letzten Jahrzehnten Techniken der Partizipation die Politik, die Ökonomie und die Künste stark verändert haben. Es fällt nicht schwer, diese zunehmende partizipatorische Bewirtschaftung aus den historischen Bedingungen des Neoliberalismus, der Kontrollgesellschaft, des Postfordismus abzuleiten und als Mitmachillusion einer postdemokratischen Regierungsweise zuzuordnen.


Ausgangspunkt unseres Gesprächs bildet ein Ausschnitt aus dem Kapitel "Partizipation und Lebendigkeit" des (2006 als Vortrag geschriebenen und 2008 veröffentlichten) Buches "Eigentblutdoping. Selbstverwertung, Künstlerromantik, Partizipation" von Diedrich Diederichsen:


Juliane Rebentisch, Ludger Schwarte, Dirk Setton und Diedrich Diederichsen erörtern, welche Formen der Partizipation Augenwischerei sind und welche die Chance bieten, neue politische Öffentlichkeiten hervorzubringen.


Wir laden ganz herzlich ein, mit uns zu diskutieren!


Material/pdf :  Diedrich Diederichsen | Eigenblutdoping 2008 | Auszug: Partiziation und Lebendigkeit



Wir laden ganz herzlich ein, mit uns zu diskutieren!



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Nie wieder arbeiten?

Kulturtheorie Die Berliner Theoriekantine diskutierte mit Diedrich Diederichsen über Partizipation als Mitmachphantasma der Postdemokratie und über das Ende der Arbeit

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Tom Wohlfarth