Diskurs | Performance Reihe | seit 05-2013   [ start seite ]                                           english

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IM TOTEN WINKEL

Ein Philosoph | Ein Text | Eine Bühne + Drei Übungen




Die Performance-Reihe Im Toten Winkel wurde im Mai 2013 mit einem Text des französischen Philosophen Alain Brossat eröffnet. Ein Philosoph/in schreibt einen Text für die Bühne. In drei Übungen, über einem längeren Zeitraum verteilt, nähert sich das Ensemble dem Text an, umkreist ihn und entwickelt jeweils drei Theaterabende. Diese Arbeitsweise  entspringt dem Wunsch, die Performance nicht als Schlusspunkt zu setzen, sondern den Prozess der Aneignung und Annäherung an den Text offen zu halten. Wenn wir den Text über ein Jahr weiter-denken und weiter-probieren, insistieren wir auf den Gebrauchswert des Textes für unsere Erfahrung und Erkenntnis. Jenseits von akademischen Einschließungen und Verwertungszwängen, suchen wir danach, philosophische Konzepte/Entwürfe im performativen Raum für ein öffentliches Denken produktiv zu machen.  Die Aufführungen/ Performances verstehen wir in diesem Sinn als offene und unabschliessbare Übungen (Manöver).


Autoren für Im toten Winkel waren bisher Alain Brossat - Einem Menschen, der sein Leben gegen eine Macht setzt, kann man keine Vorschriften machen (2013),  Maurizio Lazzarato - Der verschuldete Mensch (2014) und Giovanni Leghissa - Mythos T.I.N.A (2014/15). Die Reihe wird 2016 mit einer vierten Performance-Serie unter dem Titel Pandoras Töchter in Kollaboration mit dem Philosophen Boyan Manchev fortgeführt. [ Archiv Serie 1-3 siehe unten ]


Eine Produktion der Vierte Welt Kollaborationen

2016 - Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

2013 bis 2015 - Gefördert durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten und durch die Konzeptionsförderung des Fonds Darstellende Künste e.V. aus Mitteln des Bundes.




Archiv Im toten Winkel


Im Archiv finden sie neben Texten und Fotos zu jeder Performanceserie ein kurzes Video in der die Arbeit dokumentiert wird.


Alain Brossat

Einem Menschen, der sein Leben gegen eine Macht setzt,

kann man keine Vorschriften machen

Eine Genaologie des Plebs


Serie 1 | Mai - November 2013

Maurizio Lazzarato

Der verschuldete Mensch

Schuldenökonomie und Existenz


Giovanni Leghissa

Mythos T.I.N.A.

Die Ära Neoliberalismus ist etwas völlig Neues


Serie 2 | November 2013 - Mai 2014

Serie 3 | Juni 2014 - Februar 2015


Boyan Manchev

Pandoras Töchter

Pandoras Töchter entsteht in Zusammenarbeit mit dem Philosophen Boyan Manchev und ist die vierte Serie der Performancereihe Im Toten Winkel. Mit Boyan Manchev, der die Arbeit auch dramaturgisch begleiten wird, haben wir einen der international angesehensten jungen Vertreter zeitgenössischer Philosophie als Kollaborateur.


"Wurde Pandora, die mutterlose erste Frau, direkt als Frau erschaffen? Was wäre wenn ihre unmittelbare Schöpfung durch den göttlichen Schmied Hephaistos und die mutterlose Göttin, die Jungfrau, die kopfgeborene Kriegerin Athene, sie – die zukünftige Mittlerin zwischen Göttern und Menschen – zur paradigmatischen Figur der Unmittelbarkeit, in anderen Worten, des Kindes, gemacht hat? Pandora, die zu den Menschen gesandt wurde, zu der neugeschaffenen Welt der Endlichkeit und daher auch der Arbeit, der Ökonomie und Ordnung, musste Verbote überschreiten, um ihre unmittelbaren Begierden zu erfüllen. Sie brauchte ihre Spielzeuge, die der eifersüchtige Epimeteus, in der Büchse einsperrte. Die Allbegabte benötigt immer mehr Geschenke! Pandora will ihre Spielzeuge." 


Mit seinem Text eröffnet Boyan Manchev eine neue konzeptionelle Beziehung zwischen Poesis und kritischer Reflektion von Politik und Performance (tekhné, praxis, poiesis). Das Ensemble der Vierten Welt wird mit dem Konzept von Pandoras Töchter ganz unmittelbar aufgerufen, dem verborgenen performativen Vermögen des philosophischen Textes nachzuspüren und dessen Konzept in die Hand zu nehmen. In der ersten Übung von Pandoras Töchter nähern wir uns diesem Text in einer Installation aus Performance, Sound und Video. Der Philosoph steht mit einer Schauspielerin auf der Bühne, umrundet von unheimlichen Videobildern, in denen drei Figuren - an der Schwelle zu einer Zeit, die nicht die unsrige ist- nach uns zu greifen scheinen. 


Mit Pandoras Töchter fragen wir mit Boyan Manchev nach dem Ursprung des Humanen? Nach dem Verhältnis von Natur und Technik, von Reproduktion und Produktion! Was kann es bedeuten, wenn es so sein sollte, wie Manchev behauptet, dass unsere Subjekt-Körper mythisch immer schon durch eine Technik konstituiert sind, nämlich die der Metamorphose? Wie können wir unter dieser Voraussetzung eine Emanzipation des Subjekts denken? Müssen wir unser humanistisches Grundwissen endlich wegwerfen?



Von und mit:

Anders Carlsson, Jacqueline Grassmann, Boyan Manchev, Mariel Jana Supka, Marcus Reinhardt und Judith van der Werff

Inszenierung: Dirk Cieslak und Annett Hardegen | Text: Boyan Manchev

Video: Federico Neri | Sounddesign: Macarena Solervicens

Ausstattung: primavera*maas | Technik: Gretchen Blegen | Künstlerische Mitarbeit: Klara Lyssy

Produktion: Annett Hardegen und Luisa Grass  

Übersetzung: Hannah Wallenfels  | Hospitanz: Bendikt Paffgen



Aufführung in englischer und deutscher Sprache.


Eine Produktion der Vierte Welt Kollaborationen.

Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.


Der Autor:

Boyan Manchev | Philosoph | Bulgarien | Autor geboren 1970 in Sofia, ist Philosoph, Professor an der New Bulgarian University, Gastprofessor an der Universität Sofia und am HZT Berlin. Er ist ehemaliger Vizepräsident des Collège Internationale de Philosophie. In seinem Forschungsfeld der Ontologie, Kunstphilosophie und politischen Philosophie entwickelt er die Perspektive eines radikalen Materialismus. Zu seinen letzten Publikationen gehören u.a. Logic of the Political (Sofia, 2012), Miracolo (Milano, 2011), L’altération du monde: Pour une esthétique radicale (Paris, 2009); La Métamorphose et l‘Instant – Désorganisation de la vie (Paris, 2009). Boyan Manchev hat als Theoretiker, Dramaturg oder Performer in Theater und zeitgenössischen Tanzprojekten teilgenommen, u.a. bei Tim Etchells und Adrian Heathfield’s The Frequently Asked, Boris Charmatz‘s expo zero und Poster session Mouvement für das Festival d’Avignon, Ani Vaseva’s Frankenstein und A Dying Play, und deufert&Pplischke’s Emergency Room. Zudem überetzte Manchev Schriften von Georges Didi-Hubermann und Jean-Luc Nancy ins Bulgarische. 



Aktuell


IM TOTEN WINKEL #4 | April 2016 - Februar 2017

Pandoras Töcher| Boyan Manchev  

Vierte Welt im Eldorado | Wien | Gastspiel


24.02.2017 | 20.00 Uhr

DAS THEATER DER ZUKUNFT*

Ein Gespräch zwischen dem Publikum, dem Ensemble der Vierten Welt und dem Philosophen Boyan Manchev.


25.02.2017 | 20.00 Uhr

Performance: Im Toten Winkel 4 | Übung 3

PANDORAS TÖCHTER | Boyan Manchev

Ein Philosoph, ein Text, eine Bühne und drei Übungen.



Archiv #4


18.01 2017 | Gespräch | Spielen wie wir noch nie gespielt haben


Übung 3 | Do. 19. Januar bis 21. januar 2017

Übung 2 | Do. 07. Juli bis Sa. 9.Juli 2016

Übung 1 | Fr. 15. April und Sa.16. April 2016


28.05 | 17:00 | Performing Arts Festival: How to bring philosophy on stage | Veranstaltung


Vierte Welt [at] IMPULSE 2016 | Ringlokschuppen Ruhr, Mülheim

20. Juni | Pandoras Töchter oder die Gegentechniken von Produktion

Pandora's Daughters, or the Counter-Techniques of Production

Boyan Manchev & Vierte Welt Kollaborationen


21. Juni | 19:30 Uhr | Am Ende der zeitgenössischen Kunst  

At the conclusion of Contemporary Art   

Boyan Manchev & Ludger Schwarte | Moderation: Dirk Cieslak, Vierte Welt Kollaborationen


Marcus Reinhardt
Marcus Reinhardt
Mariel Jana Supka
Mariel Jana Supka
Anders Carlsson
Anders Carlsson