BLOCK 2 [ Tehran ]

نارهت

Wohnen der Zärtlichkeit

Video | Performance | theatraler Spaziergang | Diskussion


Premiere: Fr. 20. November 2015


Das Leben im Block in einer funktionalen Stadt vom Reißbrett ist ein globales Phänomen. Die Geschichte der Blocks, ob sozialistischer oder westlich-kapitalistischer Couleur, ist die Geschichte der Fortschrittsmoderne und ihres Verfalls, der mit dem Eintritt in die neoliberale Epoche mit ihren Gated Comunities und Public Private Partnerships einen Abschluss findet. In diesem Sinne ist der Block das Wrack einer gestrandeten Utopie. Mit dem Versprechen von „better home – better live” hatten Blocks in den 70er Jahren ihre große Zeit. Von Detroit über Glasgow bis Novosibirsk und Teheran: die Liste der Städte, die gemäß der neuen Maßstäbe umgebaut werden sollten, ist endlos.


Im Zentrum Kreuzberg liegt die Vierte Welt am toten Ende einer Ladengalerie, die nie als solche funktioniert hat. Macht man von außen ein Foto von dem Veranstaltungsort, könnte er fast überall auf der Welt liegen: in den Banlieues von Paris oder Marseille, in Victoria Island oder Ekbatan. Die Vierte Welt nimmt in „Der Block – Wohnen der Zärtlichkeit“ eine Verbindung von Block zu Block auf und baut eine Brücke zwischen den (un)gleichen Geschichten zweier ferner Stadtteile in Berlin und Teheran. Was verbindet die beiden Orte? Was haben sie gemein?

Teheran sollte in den 70er Jahren zur Metropole nach dem Muster einer „entrepreneurial and demokratic American City” umgebaut werden. Begonnen wird mit Ekbatan, das als erster Stadtteil nach dem neuen Masterplan für Teheran errichtet wird. Gerüchte, dass der zentrale Basar von Teheran, das Herz der Ökonomie des Iran, einer Autobahn weichen soll, bringen 1978 das Fass zum überlaufen. Der Schah wird aus dem Land gejagt und sein Traum einer Modernisierung findet ein Ende. In Ekbatan übernehmen die Bewohner ihren Stadtteil in Selbstverwaltung.

Auch West-Berlin sollte zur autogerechten Stadt werden. Es entsteht das Zentrum Kreuzberg und ein halber Stadtteil soll zugunsten einer Stadtautobahn abgerissen und umgebaut werden. Der Kampf um die Stadt beginnt. Die Frage lautet ab jetzt: „Wem gehört die Stadt?“ Die Pläne für den Stadtumbau lassen sich nicht realisieren. Das Zentrum Kreuzberg wird gebaut – und überlebt als Artefakt dieser Zeit.


Von und mit Dirk Cieslak, Jeroen de Boer, Kaveh Ghaemi, Johannes Maas, Pedram Py,

Annett Hardegen, Schokofeh Kamiz, Tereschkowa Obaid, Valentina Primavera, Marcus Reinhardt, Solmaz Shahbazi, Mariel Jana Supka, Judith van der Werff und Monika Wiedemer.


Ein Produktion der Vierten Welt, gefördert durch den Regierenden Bürgermeister - Senatskanzlei kulturelle Angelegenheiten und den Fonds darstellende Künste.



Radio Eins "Theatercheck"


Arte Journal: http://info.arte.tv/de/wohnbloecken-um-die-welt



Vor jeder Vorstellung, zeigen wir um ca. 19:45

Persepolis

ein Film der Künstlerin Solmaz Shabazi.


‚Persepolis’ is the third video of ,Tehran Trilogy’. The title of this work is the name of a modern high rise building in north Tehran in which the author lived. It’s a collection of memory of Tehran. Neighbors of different ages describe their city in different times. Neither the person nor the city is visible. Voices and images of living - rooms are the only elements through which the viewer can imagine the city

and its inhabitants.

Solmaz Shahbazi’s work departs from the artist’s desire to anchor an aesthetic dialetic praxis in the social and political conditions of the present. She uses the documentary format in both her videos and her photography as a tool to analyse different modes of imagery, expectations of the unknown and possible effects on perception. Shahbazi’s work has been exhibited internationally since 2001.