DAS HEIM



PROLOG – FATUM?! Fürchtet Euch! Wir leben in der Krise: in der der politischen Re-Präsentation/Demokratie und der der Ressourcen, in der des Wortes, der Ethik, des Geldes und der Ökonomie, des Kapitalismus, der Ökologie, des Sozialen, des Menschenrechts und der Humanität usw. usf. Krise produziert Angst. Wir sind im Krieg. Unsere Furcht halten wir uns mit einem enthemmten, zur Religion gewordenen, Relativismus vom Leib. Der Katholizismus ist pleite, Mainstream ist Buddha. Seine Dikta: Alles ist im Fluss / Alles ist (nur) Weg lassen uns in unserem monadischen Ich ausharren und uns im So-sein der Verhältnisse einrichten. Und Kunst, nein! Alles – jedes Ding – wird so oder so, den Gesetzen der kapitalistischen Verwertung – der fügenden Hand des Marktes – unterworfen. Wir sind völlig auf uns selbst zurückgeworfen, während sich der essentielle Antagonismus unserer Zeit, der Gegensatz von Eingeschlossenen und Ausgeschlossenen, radikalisiert. Wie können wir den Imperativen der demokratischen Kommunikation und kommerziellen Zirkulation entkommen, die behaupten Alles ist möglich, was hinterrücks sagt: Nichts ist möglich!? Ja, wir laufen Gefahr, alles zu verlieren: Leere, in sich selbst drehende, an ihrer genetischen Basis manipulierte Subjekte, die in einer lebensabweisenden Umwelt dahinvegetieren. Bleibt dem alten Menschen des Westens, als Option für sein Handeln, nur noch, zu versuchen die Kraft zu gewinnen, sich den aus dem Süden heranströmenden Barbaren – dem neuen jungen Menschen – mit offenem, liebenden Blick zuzuwenden, um sich von ihnen auffressen zu lassen?

Am 5. 11. 2010, eröffnete die VIERTE WELT mit dem Doppelprojekt: DAS HEIM -#1 Frauen und Kinder zuerst und #2 Lass mich Dein Hund sein. Beide Teile von DAS HEIM verknüpfen sich in zu einem Theaterabend. Sie treten in einen Dialog über die Verfassung unserer Gegenwart

DAS HEIM ist ein Ort, an dem Flüchtlinge, Arme, Aktivisten, Kinder, gequälte Hunde, Frauen und Hundefreunde leben, arbeiten und Gäste empfangen.


DAS HEIM #1 | FRAUEN UND KINDER ZUERST knüpft an die letzte Arbeit und Recherche der Maiden Monsters über Armut in Berlin, mit obdachlosen Jugendlichen an (Maiden Monster Army, DT / Heimspiel, Bundeskultur-Stiftung). Wir verhandeln gemeinsam die alltäglichen Klischees, Stereotypen und diskursiven Strategien, in denen sich der Ausschluss von Armut und Armen (Unterschicht) vollzieht.

Was tun, denken und fühlen wir angesichts von Armut? Armut ist Bedrohung. In welchen Klischees, Stereotypen und diskursiven Strategien vollzieht sich der Ausschluss von Armut und Armen? Wir trainieren: insistieren, entschlüsseln, drehen weiter, legen frei, schlagen wilde Haken und erzeugen Kurzschlüsse, um der Furcht vor der Armut zu entkommen.


DAS HEIM #2 | LASS MICH DEIN HUND SEIN In international gut organisierten Netzwerken retten Engagierte aus dem Norden Europas (Deutschland, England, Belgien usw.) , ausgesetzte und gequälte Hunde  aus Spanien. Bringen sie in Pflegestellen unter und suchen für die Hunde neues „Zuhause“ im Norden. Gleichzeitig landen  Flüchtlingen aus Afrika im Süden, an den spanischen Küsten, wenn sie nicht schon vorher auf ihrem langen Weg stranden oder in der Sahara verdursten oder im Mittelmeer ertrinken. Den Flüchtlingen fehlen solche legalen Netzwerke. Wird man ihrer habhaft sperrt man sie, in von der EU finanzierten Lager, in Libyen. Im Kurzschluss zwischen Auslandstierschutz und Flüchtlingshilfe inszenieren wir einen Dialog über unsere Art der Liebe zur Kreatur und zum Menschen. Wie ist es um unser Vermögen bestellt, die uns „Fernsten" als Mitmenschen zu erkennen und zu behandeln? Wen lassen wir in unser Haus? Warum? Warum nicht? Was hält uns zurück, die Tür einfach offen zu lassen? Wir suchen die Konfrontation mit einem Geist der Gegenwart, der davon getrieben ist, alles zu haben, nur eines nicht: ein unglückliches Bewusstsein angesichts der eigenen Verantwortung für die Welt.


17.11.2010 |  Berliner Zeitung

Heraus aus der Konsenzwolke

... Es ist ein schutzloses Trainieren an dem existenziellen Sprung vom Denken ins Spielen ins Tun, das hier zugleich so offen gestaltet ist, dass es nie anregender war für die Zuschauer mitzuspringen.

[ mehr ]


18.11.2010 | Neues Deutschland

Die Vierte Welt

... Die Eröffnungsproduktion »Das Heim« erweist sich tatsächlich als eine diskursive Maschine zur Weltverbesserung. [ mehr ]


Von und mit Ralf Arndt, Eugen Bergmann, Dirk Cieslak, Annett Hardegen, Doris Kleemeyer,

Olf Kreisel, Maria Kleinschmidt, Tanja Krone, Jonas Möhring, Marketa Richterova,

Wanja Saatkamp, Tamara Saphir, Rahel Savoldelli, Jörg Schiebe, Erik Schiemann, Anika Schmitz, Ana Ticak und Hendrik Unger.


DAS HEIM ist eine Kollaboration von Lubricat theatre company, Maiden Monsters und Gutes Tun.


Gefördert durch den den Regierenden Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten und dem Fonds Darstellende Kunst, e.V.

Trailer 1 | ... das ist frei | by Ana Ticak

Trailer 2 | by Ana Ticak

Premiere 4.November 2010

Das Heim
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